Schifferseelsorge

Unterwegs zu den Menschen - "Alles im Fluss"

Quelle: Wikipedia.org/Gemeinfre/Immanuel Giel

Die "Johann Hinrich Wichern" ist kein normales Schiff im Mannheimer Hafen. Peter Annweiler befördert mit dem zwölf Meter langen Boot keine Fracht, sondern hat etwas anderes an Bord: ein Angebot  zum Gespräch. Der Pfarrer der Mannheimer Hafenkirche ist Seelsorger für die Binnenschiffer - Menschen, die die Kirche am besten auf dem Wasser erreicht.

"In Schifferkreisen heißt es: Kommst du von der Wasserseite, bist du Freund. Kommst du von der Landseite, bist du Feind", sagt Annweiler. Behutsam steuert er die "Wichern" auf die Schiffe zu, die im zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands vor Anker liegen. Mit seinem großen blauen Kreuz am Bug ist das fast 50 Jahre alte Boot von weitem als Kirchenschiff zu erkennen. Zudem hat Annweiler eine Fahne gehisst, die Anker und Kreuz zeigt.

Der erste Kontakt ist meist ein freundliches Winken, erfolgt keine Reaktion, lässt der Pfarrer die Binnenschiffer in Ruhe und dreht ab. "Meist werden wir aber freundlich empfangen." Einmal an Bord, verteilt Annweiler einen Flyer oder den Gemeindebrief und lotet bei einem Smalltalk aus, "ob die Tür zu einem Seelsorgegespräch aufgeht oder nicht".

Wer sein Leben auf den bis zu 100 Meter langen Schiffen verbringt, immer unterwegs, heute  Rotterdam, morgen Basel - der wird schnell wurzellos, hat es schwer, soziale Kontakte zu erhalten. "Bei ihnen ist alles im Fluss, im Wortsinn", sagt Annweiler. "Das ist noch ausgeprägter, wenn die ganze Familie auf dem Schiff lebt."

Das Berufsbild wandele sich, hat der Mannheimer Pfarrer beobachtet. Immer öfter werde auf den Schiffen im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr gearbeitet. "Dann ist man als Binnenschiffer öfter an Land." Ein Auto an Bord ermöglicht es, in der Freizeit nach Hause zu fahren. Zugleich gebe es in der Branche einen "gnadenlosen ökonomischen Konzentrationsprozess", sagt Annweiler. "Die Preise werden gedrückt, die Schiffer müssen oft einfach nehmen, was sie kriegen. Vor allem die Familienbetriebe stehen unter Druck, viele werden aufgekauft."

Der Pfarrer berichtet von einer Begegnung mit einem Mann Anfang 50: "Er war wie apathisch, hat kaum reagiert, wollte nur in Ruhe gelassen werden." Annweiler gelang es dennoch, ins Gespräch zu kommen. "Der hatte gerade seine Kündigung bekommen, nach 17 Jahren auf dem Schiff." Einen anderen Schicksalsschlag erlitt ein niederländischer Binnenschiffer - seine Frau war gestorben. Die Gespräche mit Annweiler führten zu einer besonderen Verbundenheit. "Immer, wenn er in Mannheim ist, lege ich bei ihm an."

Der gebürtige Heidelberger, der in der Pfalz aufgewachsen ist, hat über den Beruf seine Liebe zum Wasser entdeckt. "Ich habe gleich meinen Bootsführerschein und Funkerschein gemacht", berichtet die einstige "Landratte". Die Schifferseelsorge steht ganz im Sinne Wicherns unter dem Motto: Unterwegs zu den Menschen. "Wir müssen eine aufsuchende Kirche sein, und nicht warten, dass die Leute zu uns in den Gottesdienst kommen. Dafür ist die 'Wichern' doch ein schönes Symbol."

Ohne die ehrenamtliche Arbeit von fast einem Dutzend Helfern aber wäre die Schifferseelsorge für Annweiler, der dafür nur ein Viertel seiner Pfarrstelle aufwenden kann, nicht zu machen. "Vor allem Erwin Schnell kennt jede Schraube am Schiff", sagt der Pfarrer. "Die Nachhaltigkeit der Stelle ist über das Ehrenamt gesichert."

(Uwe Gepp, Chef vom Dienst)

Sehen hier ein Video über die Binnenschifferseelsorge der Landeskirche Baden:

 

 
Quelle: Word Symbol
weitere Informationen: Hafenkirche Mannheim
 
 
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