Die große Gebetsgebärde

„Körper und Seele sind eine Einheit. Darum muss der Christ ganzheitlich beten lernen.“1 Ein Beitrag zu ganzheitlichem Beten ist die so genannte Große Gebetsgebärde, die ich bei Franz Xaver Jans kennen gelernt und eingeübt habe.2 Sie umfasst verschiedene Grundhaltungen und Grundbewegungen des Menschseins: Öffnen und schließen, ausfalten und einfalten, beschenkt werden und austeilen, schweigen und mitteilen, zu – Grunde - gehen und wieder auf(er)stehen; sie bezieht alle Körperregionen in das Dasein vor Gott ein und unterstützt darin, als ganze Menschen in der Hingabe an Gott zu leben (Röm. 12,1).

Die hier vorgelegten Texte sind Anregungen, um in die Gebärdenfolge hineinzufinden, sie dienen der Erläuterung der Gebärde, sie eröffnen Verstehenshorizonte, sind aber offen für eigene Interpretationen und Assoziationen. Das Gebärdegebet wird letztlich vollzogen, im wortlosen Dasein in der Gegenwart des gütigen Gottes. Zuweilen kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, aus einer Gebärde heraus in Gebetsworte zu finden.

Einzelne Sequenzen stellen Gebetgebärden dar, die in den Gottesdiensten der Synagoge und Kirche, aber auch in anderen Religionen vorkommen. Weggelassen habe ich hier die Gebärde des Niederfallens, der niederfallenden Anbetung, wie sie in Ps. 95,6 beschrieben ist: „Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.“

Die Große Gebetsgebärde hilft, sich aus der Zerstreuung in die eigene Mitte und in die Gegenwart des gegenwärtigen Gottes zu sammeln, „der unseres Lebens Mitte ist.“ 3 Sie stellt hinein in die Schönheit und Ordnung des Kosmos, aber auch in die Gegebenheiten unserer Alltagswirklichkeit. Sie öffnet für das Unverfügbare und doch Verheißene: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage!“ (Mt. 28, 20)
Die Große Gebetsgebärde kann gerade in der Mitte des Tages ihren Platz haben, sie kann helfen, mitten am Tag sich aus- und aufzurichten und aus der Quelle des Lebensiv wieder Kraft zu schöpfen 4.

Sie wird in langsamer und fließender Bewegung je ein Mal in jede Himmelsrichtung vollzogen, beginnend im Osten (Aufgang, anfangen) über den Norden (Klärung, zulassen), den Westen (Untergang, freigeben) zum Süden (Reifung, annehmen). Man kann die Gebärde selbstverständlich auch in nur eine Himmelsrichtung vollziehen oder auch bei einer Sequenz aus dem Gebärdenfluss verweilen. Sie kann das Gebet eines einzelnen Menschen sein, gemeinsam in der Gruppe geübt fügt sie zusammen zu einer Gemeinschaft der Betenden. Man kann beim Gebet die Augen offen halten, ohne jedoch bestimmte Punkte oder Gegenstände zu fixieren, man kann auch die Augen schließen und den Blick auf das Innen richten.

Anmerkungen:
1) Rotzetter 163
2) Zeichnungen zu den Gebärdesequenzen finden sich bei Jans-Scheidegger ab S. 85
3) Evang Tagzeitenbuch 326
4) Vg. Ps. 36,10

Von Wolfgang Max,

 
Beten kann man lernen

Die Bibel stellt uns Gott als einen lebendigen, persönlichen Gott vor. Er sucht die Verbindung mit den Menschen. Im Gebet erlaubt er uns, sich ihm zu öffnen, mit ihm zu reden. Dabei sieht er „in unser Herz“. Er weiß, was hinter den Worten steht. Deshalb können wir mit ihm reden, wie es uns ums Herz ist.

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Die großen Gebetsgebärden

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