Gebärde 9-15

Ich schiebe die beiden Handflächen ineinander. Die Daumenspitzen berühren sich. Die Hände bilden eine kleine, offene Schale, die bereit ist, mit meinem Maß das aufzunehmen, was ihr geschenkt wird.

Biblischer Bezug:

  • Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen. (Ps. 37,4+5)

10. Zur Erde neigen

Mit der Kraft aus der Mitte setzt sich die Schale zum Grund in Bewegung. Ich falte mich langsam, mit dem Kopf beginnend, Wirbel für Wirbel ein, neige mich zum Boden, während meine Hände die Schale bilden. Die Knie bleiben locker, geben nach, so dass die Handrücken den Boden berühren können. Ich verbinde mein persönliches Maß mit der Kraft der Erde.

Ausfalten und Einfalten sind komplementäre Weisen des Lebens. Die Verneigung ist eine Haltung der Ehrfurcht oder der „Verdemütigung vor dem demütigen Gott, vor Christus, der im Altar, in der Eucharistie, im Kreuz die Gegenwart des demütigen Gottes ist.“ 1)

Biblische Bezüge:

  • Ich bin sehr gedemütigt; HERR, erquicke mich nach deinem Wort. (Psalm 119,107)
  • Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. (Phil.2,8)

Anmerkung:
1) Rotzetter 164

11. Schöpfen

Auf der Erde angekommen, lege ich meine Handinnenkante und die Außenkanten der kleinen Finger aneinander und schöpfe mit meiner Handschale aus der Tiefe.

Biblische Bezüge:

  • Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen. (Jes. 12,3)
  • Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. (Psalm 65,10b)
 

12. Aufrichten

Ich lasse die Hände aneinander gelegt, um, was mir geschenkt wurde, darin zu bewahren, und richte mich Wirbel für Wirbel vom Kreuzbein her wieder auf. Ich strecke meine Arme und Hände nach vorne. Beide Hände berühren sich noch an den Außenkanten und bilden zusammen eine Schale. Es ist die Haltung der Darbringung im Stehen.

Biblischer Bezug:

  • Wohlan, lobet den Herrn, alle Knechte des Herrn, die ihr steht des Nachts im Hause des Herrn! (Ps.134,1)

13. Weiterschenken

Langsam werden die Arme in der Horizontale auseinandergefaltet, bis ich wieder in der Kreuzesform mit den Innenhandflächen nach oben dastehe. – Ich schenke nach rechts und links von dem weiter, was mir geschenkt worden ist. Im Weiterschenken werde ich neu beschenkt.

Biblische Bezüge:

  • Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matth. 25,40)
  • Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. (Mt. 25,29)

14. Bergen

Ich führe meine Handschalen aus der Horizontalen vor meinem Brustbein wieder zu einer einzigen Schale zusammen, drehe sie von aussen nach innen, bis sich die Fingerspitzen und die Aussenkanten der Daumen berühren und so eine Grotte oder Mandorla bilden.1) Was mir geschenkt worden ist berge ich in der „Höhle meines Herzens.“

Biblische Bezüge

  • Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! (2. Kor. 9,15)
  • Lasst uns nun durch Christus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott. (Hebr. 13,15+16)
  • Geben ist seliger als nehmen. (Apg. 20, 35)
  • Gebt ihr ihnen zu essen. (Mk. 14,16)

Anmerkung:
1) Die Mandorla entsteht in der Überschneidung zweier Kreise, Symbol der irdischen und der himmlischen Welt. In der Mandorla befindet sich in den romanischen Darstellungen Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott.

15. Bei sich sein und danken

Ich lege meine Hände vor der Brust überkreuzt zusammen, verweile eine individuelle Zeit in der aufrechten Haltung. Das ist manchmal auf Ikonen die Haltung der anbetenden Engel. Sie sind ganz bei sich und ganz bei Gott. Dann verneige ich mich aus Dankbarkeit, ein Sohn oder eine Tochter Gottes zu sein, und lasse die Arme sinken. Ich bedenke meinen nächsten Schritt und bin bereit, meinen Weg zu gehen.

Biblische Bezüge:

  • Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jes. 6,3)
  • Und am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. (Mk. 1,35)
  • Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte und ich wusste es nicht. (Gen 28,16)
  • Gnädig und barmherzig ist der Herr,
    geduldig und von großer Güte.
    Der Herr ist allen gütig
    Und erbarmt sich aller seiner Werke.
    Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke
    und deine Heiligen dich loben
    und die Ehre deines Königtums rühmen
    und von deiner Macht reden,
    dass den Menschen deine gewaltigen Taten kundwerden
    und die herrliche Pracht deines Königtums.
    Dein Reich ist ein ewiges Reich
    und deine Herrschaft währet für und für.
    Der Herr ist getreu in all seinen Worten
    und gnädig in allen seinen Werken.
    Der Herr hält alle, die da fallen,
    und richtet alle auf, die da niedergeschlagen sind.
    Mein Mund soll des Herrn Lob verkündigen,
    und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen
    immer und ewiglich. (Psalm 145, 8-14.21)
  • Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist…
 
Beten kann man lernen

Die Bibel stellt uns Gott als einen lebendigen, persönlichen Gott vor. Er sucht die Verbindung mit den Menschen. Im Gebet erlaubt er uns, sich ihm zu öffnen, mit ihm zu reden. Dabei sieht er „in unser Herz“. Er weiß, was hinter den Worten steht. Deshalb können wir mit ihm reden, wie es uns ums Herz ist.

Gebetsportal

Die Seite www.wie-kann-ich-beten.de wird von der Evangelischen Radio- und Fernsehkirche im NDR (ERR), dem Katholischen Rundfunkreferat im NDR (KRR) und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover (EVLKA) betrieben.

Die großen Gebetsgebärden

„Körper und Seele sind eine Einheit. Darum muss der Christ ganzheitlich beten lernen.“ Ein Beitrag zu ganzheitlichem Beten ist die so genannte Große Gebetsgebärde. Hier finden Sie Gedanken und Anregungen zu den großen Gebetsgebärden.