Fastenzeit und Passion

Von Aschermittwoch bis zum Osterfest wird als (geistliche) Vorbereitung auf die Passion Jesu die Fastenzeit begangen.

Quelle: ekiba / Annette Wohlfeil

Innehalten, alte Gewohnheiten aufbrechen und sich vorbereiten – dies sind zentrale Punkte der Fastenzeit. In Vorbereitung auf das große Osterfest und die damit verbundene Feier der Auferstehung Christi hat sich in der Kirchengeschichte eine 40-tägige Fastenzeit herausgebildet. Mit Ausnahme der Sonntage, die an die Auferstehung Jesu erinnern, erleben Christen seit Jahrhunderten diese Zeit des bewussten Verzichts.

Biblische Ursprünge des Fastens

Das biblische Vorbild für die Fastenzeit sind die 40 Tage Jesu in der Wüste (Matthäus 4,2). Die Zahl 40 findet sich aber auch in anderen Zusammenhängen im Alten und Neuen Testament, sie ist die biblische Zahl der Prüfung: Im Alten Testament wird erzählt, wie die Israeliten 40 Jahre lang durch die Wüste wanderten (Exodus 16, 35) und wie Mose 40 Tage mit Gott auf dem Berg Sinai verbringt (Exodus 24, 18). Im Neuen Testament wird 40 Tage nach der Auferstehung Jesu von seiner Himmelfahrt berichtet.
(Apostelgeschichte 1, 3)

Unterschiedliche Fastentraditionen

Das Fasten hat in den verschiedenen Kirchen einen unterschiedlichen Stellenwert und wird auch je anders begangen. In der Orthodoxen Kirche wird am meisten gefastet: So erinnern sich die orthodoxen Christen jeden Mittwoch und Freitag durch ihren Verzicht an tierischen Produkten, Öl und Wein an den Verrat Jesu im Rat der Juden und an die Kreuzigung. Außerdem fasten sie vor Weihnachten und an einigen ausgewählten Feiertagen. Das wichtigste Fasten findet allerdings in Vorbereitung zu Ostern statt.

In der evangelischen Kirche ist das Fasten nicht fest vorgeschrieben: Der Christ soll nicht in die Versuchung gelangen, seine Werke als erlösend zu betrachten. In betonter Abgrenzung zu diesen alten Traditionen verstießen die Schweizer Reformatoren 1522 in Zürich mit einem Wurstessen bewusst gegen die damaligen strengen Fastenvorschriften.

Fasten heute

Das Fasten beschränkt sich aber nicht nur auf den Verzicht von bestimmten Nahrungsmitteln, sondern in dem Aufbrechen alter Gewohnheiten, um den Glauben zu stärken. Aus einer Stammtischidee des Hamburger Pressepastors Hinrich Westphal entwickelte sich 1983 die Fastenaktion „7 Wochen ohne“ der EKD, an der mittlerweile Millionen Menschen teilnehmen.

In den sieben Wochen vor Ostern soll durch den bewussten Verzicht auf eine selbstgewählte Gewohnheit, ein neues Bewusstsein für das eigene Leben geschaffen werden. Dabei können so unterschiedliche Sachen ausgewählt werden, wie z.B. Alkohol trinken, Schokolade essen, Facebook nutzen oder Schimpfwörter verwenden.

Das Pendant zu dieser Verzichtaktion sind die zwei Angebote „7 Wochen mit“ (der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche) und „7 Wochen anders“, die den Blick für ein bewusstes Leben schärfen wollen. So habe ich z.B. durch den Verzicht auf Fernsehen plötzlich ein Mehr an Zeit, die ich z.B. dafür sinnvoll einsetzen kann, anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Innehalten, alte Gewohnheiten aufbrechen und sich auf das bevorstehende Osterfest vorbereiten, dies ist die Chance und Herausforderung der Fastenzeit.

7 Wochen ohne: www.7wochenohne.evangelisch.de/content/fasten

7 Wochen mit: www.7wochen.de/

7 Wochen anders: www.anderezeiten.de/unsere-aktionen/7-wochen-anders-leben/

 
Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung im Kirchenjahr

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Das Kirchenjahr und die alten Kirchenbücher

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