Die Bibel und ihre Entstehung

Quelle: Foto: Annette Wohlfeil

Die Geschichte der Menschheit beginnt in Eden, das irgendwo in Mesopotamien (heute Irak und Nordost-Syrien) lag, so erzählt es die Bibel im 1. Buch Mose. Dann, vor etwa 6000 Jahren, also um das Jahr 4000 v. Chr., bricht über die Welt eine ungeheuerliche Katastrophe herein. Die Sintflut. Die Welt - so wie man sie damals kannte, ist das sog. Zweistromland, das Land zwischen Euphrat und Tigris. Nach der Geschichte der Bibel überleben diese Sintflut nur Noah und seine Familie.

Gut 2000 Jahre später, etwa ab 1800 v. Chr. wird uns von Abraham, seinen Nachkommen und deren Erlebnissen mit Gott berichtet. Etwa um 1600 v. Chr. zieht Jakob mit seiner Familie nach Ägypten, von wo aus sie sich - etwa 400 Jahre später - unter Mose auf den Weg ins verheißene Land machen. Es folgt die Zeit der Landnahme und die Richterzeit. Zuerst werden diese Geschichten in den Zelten der Normanden, an den Lagerfeuern und an Handelstreffpunkten weitererzählt. Erst z.T. nach vielen Jahrhunderten werden diese Geschichten von verschiedenen Autoren aufgeschrieben. Etwa um 1200 v. Chr. entstehen die Grundbestandteile der Bücher Mose und etwas später des Buches Josua.

Zwischen 1030 und 929 v. Chr. regieren nacheinander die Könige Saul, David und Salomo. Zur Zeit Königs Sauls entstehen die Bücher Samuels, zur Zeit König Davids die ersten Psalmen und das Buch Ruth. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Aufzeichnugen des Schöpfungsberichtes. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Geschichtsschreibung.

Etwa in den Jahren 1000 - 500 v. Chr. stellen verschiedene Personen diese Geschichten mit anderen mündlich und schriftlich überlieferten Geschichten in einen größeren Zusammenhang und bearbeiten sie theologisch.
Zumindest drei verschiedene Schriftsteller meint man aus dem Pentateuch (die fünf Bücher Mose) herauskristallisieren zu können:

  • J (dieser verwendet für Gott den Namen Jahwe, um 900 v. Chr),
  • E (dieser verwendet für Gott den Namen Elohim, um 850) und
  • P (Priesterschrift, um 550).

Ein Endredakteur fügt die vorliegenden schriftlichen Quellen zu einem Gesamtwerk zusammen.
Etwa ab 400 v. Chr. schreiben Thoraschreiber diese Vorlage über Jahrhunderte immer wieder peinlich genau ab. Trotz aller Achtsamkeit entstehen immer wieder kleinere Abweichungen.

Ca 250 v. Chr. werden die Schriften in Alexandria ins Griechische übersetzt. Das Werk, so die Legende, entstand von 70 Gelehrten in nur 70 Tagen, daher der Name Septuaginta (70). Sie ist zur Zeit Jesu die vorherrschende Bibelausgabe.

Auch die Mönche von Qumran (um 70 n. Chr.) haben die Thora und andere Bücher abgeschrieben. Ihre stattliche Bibliothek verstecken sie vor den Römern in Tonkrügen in Höhlen oberhalb des Toten Meeres. Einige dieser Schriften wurden 1947 von Hirtenjungen entdeckt und verkauft. Archäologische Ausgrabungen brachten danach etwa 500 hebräische, aramäische und griechische Texte ans Licht. Die gefundenen Thoratexte sind mit Abstand die ältesten Originale, weisen aber nur geringe Unterschiede auf im Vergleich zu Handschriften, die 500 Jahre später aufgeschrieben wurden. Dies ist die eigentliche Sensation von Qumran.
Um das Jahr 90 n. Chr. wählen jüdische Gelehrte unter den vielen vorliegenden theologischen Schriften 29 aus und setzen sie als verbindliche Richtschnur fest: die sog. Kanonbildung.
Sie akzeptieren nur Schriften, die ein hebräisches Original haben. So finden einige Schriften, die in der Septuaginta enthalten sind, keinen Einzug in den Kanon.
In den Konzilien von Hippo und Karthago (393 bzw. 397 n. Chr.) setzen die Christen ihren Kanon, aus 77 Büchern bestehend, fest. Im Gegensatz zum jüdischen Kanon werden auch Schriften wie 1. und 2. Makkabäer und Jesus Sirach aufgenommen.

Ewa um 400 n. Chr. wird die Septuaginta von Hieronymus ins Lateinische übersetzt. Diese Übersetzung bekommt später den Namen "Vulgata" (= die allgemein Verbreitete).
Im Mittelalter schreiben Mönche die biblischen Schriften immer wieder ab und verzieren sie kunstvoll. Für eine vollständige Abschrift der Bibel braucht man die Haut von 200 Lämmern.
Die ältesten uns erhaltenen umfangreichen neutestamentlichen Handschriften stammen aus dem 4. Jahrhundert (Codex Vaticanus). Graf v. Tischendorf fand sie um 1850 im Katharinenkloster am Sinai. Fragmente von Handschriften neutestamentlicher Schriften gehen ins 2. Jahrhundert zurück.
1450 wagt sich Gutenberg an den Druck einer lateinischen Bibel. Für eine Seite mit 42 Zeilen braucht er 2600 Buchstaben. Insgesamt druckt er 165 Bibeln auf Papier und 35 auf Pergament. Er braucht dazu zwei Jahre.
In den Jahren 1522 -1534 entstehen immer mehr Übersetzungen der Bibel in andere Sprachen, auch ins Deutsche; als Vorlage dient die lateinische Vulgata. Martin Luther gründet jedoch als Erster seine Übersetzung des Neuen Testaments (1522, während seines Aufenthalts auf der Wartburg) und des Alten Testaments wieder auf die griechischen und hebräischen Urtexte.

Die Reformation übernimmt in der humanistischen Tradition 'ad fontes' (= zurück zu den Quellen) den hebräischen Bibelkanon. Die alttestamentlichen Schriften der Vulgata, die kein hebräisches Original haben, bezeichnet Luther jedoch als durchaus lesenswert. 1534 erscheint Luthers deutsche Vollbibel in Wittenberg.
Im gleichen Jahr erscheint auch eine neue deutsche Übersetzung im Auftrag der katholischen Kirche, noch auf Vorlage der Vulgata.

20. Jahrhundert
Zahlreiche neue Bibelübersetzungen erscheinen auf dem Markt. Die 'Einheitsübersetzung' ist ein Gemeinschaftswerk von Katholischer und Evangelischer Kirche. Die 'Gute Nachricht' und 'Hoffnung für alle' wollen durch eine einfache Sprache das Lesen der Bibel attraktiver machen. Die 'Zink-Bibel' setzt die Bücher des AT in eine geschichtliche Reihenfolge.

Forum Bibel├╝bersetzung

Quelle: Wikipedia.org_ Gemeinfrei / April 2016
Jedes Jahr treffen sich Übersetzungswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Theologen, Missiologen und Interessierte zum „Forum Bibelübersetzung“.
In Referaten und Diskussionen erörtern sie verschiedene Zugänge der Bibelübersetzung; Konsequenzen und Sinnveränderungen, die sich durch übersetzungstechnische Entscheidungen ergeben; sie beschäftigen sich mit Textforschung und Textkritik der Bibel uvm.
 
(Bild: Ein Blatt der griechischen Bibelhandschrift P46, auf Papyrus, ca. 200 n. Chr.; Ann Arbor, University of Michigan. Der Text enthält einen Abschnitt des 2. Briefs des Apostels Paulus an die Korinther (Kap. 11,33 - 12,9).
 
Das Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Weitere Infos zur Entstehung der Bibel finden Sie im Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft.