Blog aus Busan

Freitag, 8.11.2013

Quelle: Johanna Lindén-Montes WCC
Fußwaschung
Quelle: Johanna Lindén-Montes WCC
Pfarrer Michael Lapsley aus Südafrika predigte während dem Abschlussgottesdienst der 10. Vollversammlung und ist hier mit der neu gewählten ÖRK-Präsidentin, Pastorin Gloria Nohemy Ulloa Alvarado zu sehen.
Quelle: Johanna Lindén-Montes WCC
Ei als Wegzehrung auf dem Pilgerweg

Join the pilgrimage of justice and peace!

Mit einem langen Tagesflug geht es aus dem „Land der Morgendämmerung“ zurück in den Westen. Was bringen wir mit?  Die große Fülle, die sich aus Begegnungen und geteilten Lebens- und Glaubensgeschichten, aus Gottesdiensten und der Arbeit an Dokumenten ergibt, wird sich erst noch sortieren müssen.

In den letzten beiden Tagen sind eine Reihe von Dokumenten verabschiedet worden: Programmrichtlinien für die nächsten Jahre, öffentliche Erklärungen und kurze Stellungnahmen. Diese Ernte des formalen Teils der Versammlungsarbeit war anstrengend und am Ende herrschte großer Zeitdruck - eine kaum zu bewältigende Herausforderung für die Moderierenden. Letztlich ging es darum, welches Statement noch umfassender behandelt werden kann und welche Entscheidungen aufgeschoben werden müssen bis zur nächsten Zentralausschusssitzung im Juli 2014.  

Viel Zeit wird auf die „Botschaft der Vollversammlung“ verwendet, bis der Wortlaut Konsens findet. „Join the pilgrimage of justice and peace”, heißt der kurze Text.  Der Aufruf, gemeinsam – trotz aller Verschiedenheit und dogmatischen Streitfragen - für Frieden, Gerechtigkeit  und als gerechte Haushalter von Gottes Schöpfung unterwegs zu sein, ist durch seine wiederholte Revision immer deutlicher geworden, auch wenn diese Art von pastoralem Aufruf für uns ungewohnt ist. Im Unterschied zu den anderen Dokumenten stehen hier keine konkreten Forderungen und kein Maßnahmenkatalog im Mittelpunkt. Vielmehr schließt der Rückblick auf die Erfahrungen bei der Vollversammlung, die Situation im geteilten Korea und die vielen Zeugnisse von  Krisenherden dieser Welt die Bitte ein, selbst verwandelt (transformed) und zu Werkzeugen des Friedens zu werden.  

Konkrete Anstöße für die Weiterarbeit in den Ortskirchen finden sich in einzelnen Dokumenten, z.B. in der Erklärung zum „Weg des gerechten Friedens“, im Protokollpunkt zum Klimawandel, aber auch in der „Erklärung zur Einheit“. Die Idee der Pilgerreise prägt nicht nur die Botschaft, sondern auch die Programmrichtlinien, die versuchen, die thematische Arbeit in den verschiedenen Arbeitsbereichen des ÖRK (insbesondere die dogmatischen, ethischen und missionarischen Fragen) stärker aufeinander zu beziehen und viel mehr als bisher, die Programmarbeit gemeinsam mit den Mitgliedskirchen zu entwickeln und durchzuführen. Eine Herausforderung auch für die „Ortskirchen“.  

Immer wieder verdichten sich solche Erfahrungen im Gottesdienst. Im Morgengebet steht am Abschlusstag die Fußwaschung (Joh 13) im Mittelpunkt, die auch gefeiert wird. Wir beten „für die Kirche, in der wir einander mit der Demut dienen, die Hierarchien der Macht überwindet.“ Und darum, befreit zu werden vom „Fluch der Stigmatisierungen und Etiketten, die die Unwillkommenen aus der menschlichen Gemeinschaft ausstoßen.“ Dass das schwierige Themen in der Ökumene sind wird am Nachmittag beim Abschlussgottesdienst wieder deutlich: Pater Michael Lapsley spricht in seiner Predigt neben vielem anderem die Stigmatisierung sexueller Minderheiten deutlich an, kurz darauf stürmen mitten in den Fürbitten zwei der „Anti-ÖRK-Demonstranten“ schreiend auf die Bühne und werden sofort von Sicherheitskräften überwältigt. Diese Szenen sind mehr als ein Riss im Faden des Gottesdienstablaufs. Dennoch: Das Hören auf die leidvollen Erfahrungen der anderen ist ohne Alternative. „Wenn wir in der Lage sind, anderen in ihrem Schmerz zuzuhören, kann unser gemeinsames Engagement für umfassende Gerechtigkeit gestärkt werden. Wenn wir anderen in ihrem Schmerz zuhören, verschwindet die Trennlinie zwischen „wir“ und „den anderen“ und es gibt nur noch ein „wir“. Unsere gemeinsame Erfahrung des Menschseins ist weitaus tiefer als alles, was uns trennt oder uns einzigartig und anders macht.“ – so Pater Michael Lapsley aufgrund seiner Erfahrungen in der Versöhnungsarbeit.

We intend to move together: Diese Selbstverpflichtung zum gemeinsamen Weitergehen steht am Ende der Botschaft der Vollversammlung. In Korea ist es üblich, Reisenden Geschenke mitzugeben. Eines dieser Geschenke ist traditionell ein geräuchertes Ei. Und auch wir als Vollversammlungsteilnehmende werden am Ende des Gottesdienstes mit dieser Wegzehrung im Gepäck auf die Heimreise geschickt. Es soll uns an die Auferstehung Jesu Christi und die Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde erinnern und daran, dass wir alle Reisende sind, die den Weg zur Einheit fortsetzen. Wir freuen uns, wenn sich viele unserer Reise anschließen!

Anne Heitmann

P.S.: Wir berichten gerne über die Vollversammlung: Anfragen am besten an: Anne[dot]heitmann[at]ekiba[dot]de und Benjamin[dot]simon[at]ekiba[dot]de

Alle verabschiedeten Dokumente finden sich hier: KLICK


Am Ende der Vollversammlung des ÖRK: Sammlung und Sendung in die Ökumene

Die 10. Vollversammlung (VV) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) geht ihrem Ende entgegen. Gedanken und Gedankenimpulse schießen durch meinen Kopf. Wo kommen wir her, wo stehen wir und wo gehen wir hin?

Gedanken kreisen um umfassende ökumenische Themenbereiche, die ihrerseits wie kleine und große Räder verzahnt ineinandergreifen und ein ganzheitliches Denken, Leben und Handeln abbilden:

Vielfältige ökumenische Arbeitskreise, tägliche Andachten und Bibelarbeiten in vielen Sprachen, international gestaltete Gottesdienste, Ausflüge in und um Busan, Referate zu ökumenischen, sozialethischen, ökonomischen und ökologischen Fragestellungen und nicht zu vergessen die zentrale Herausforderung von und Impulse zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung hinterlassen einen gewaltigen, umfassenden Eindruck. Begegnungen über Begegnungen wirkten verändernd, ja Theologie beginnt sich zu verändern und neu als ökumenische Theologie zu justieren. Wer kann sich diesem Veränderungsprozess entziehen, der mit und nach der 10. VV des ÖRK die Grammatik seiner theologischen Existenz auf den Prüfstand stellt?

Eindrücke, Erlebnisse und Erkenntnisse werden sich setzen, sind zu verarbeiten und müssen zukunftsweisend aufgearbeitet und in das Umfeld von Theologie, Kirche und Gesellschaft getragen werden. Als Gedankenanstoß, Hilfs- und Arbeitsmittel bieten sich zukünftig viele Wege an. Wichtig werden mir dabei drei Textgruppen, die bei weitem noch nicht hinreichend gelesen, durchgearbeitet und rezipiert sind. Auf diese möchte ich das Interesse richten:

1. Das Material der ÖRK-Programme

1.1. „Die Kirche: Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Vision“ bietet als Konvergenz-Text eine grundlegende, umfassende Schau zum Verständnis von Kirche für die ökumenisch ausgerichtete Weltchristenheit. Dieses Dokument hat eine Bedeutsamkeit wie die Schrift „Taufe – Eucharistie – Amt“ von 1982. Wird das Dokument „die Kirche“ auch die Wertschätzung erfahren, die für die Arbeit des ÖRK unverzichtbar ist?

1.2. „Gemeinsam für das Leben: Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten“. Das am Auftrag Jesu ansetzende Missionsverständnis muss im Kontext gegenwärtiger Herausforderungen und Veränderungen gesehen, gelesen und verstanden werden, um Mission und Evangelisation im 21. Jahrhundert voranzubringen. Selbstgerechte Behauptungen und sinnlose Grabenkämpfe im Missionsverständnis sind rückwärtsgewandt und führen nicht weiter. Zusammenfassende Grundüberzeugungen, verstanden als „Fest des Lebens“, weisen in die Zukunft: „Wir sind Diener des dreieinigen Gottes, der uns mit der Mission beauftragt hat, der ganzen Menschheit und Schöpfung, insbesondere den Unterdrückten und Leidenden, die sich nach einem Leben in Fülle sehnen, die gute Nachricht zu verkünden.“ 

1.3. „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt: Empfehlungen für einen Verhaltenskodex“ benennt Kriterien und Perspektiven gegenwärtigen Selbstverständnisses und zukünftigen Auftretens und Verhaltens. 

1.4. „Ökonomie des Lebens, Gerechtigkeit und Frieden für alle: Ein Aufruf zum Handeln“ weist zu praktischen Aufgabenstellungen und anstehenden Handlungsfeldern, damit Kopf und Hand ökumenischer Theologie zusammenwirken.  

1.5 „Ein ökumenischer Aufruf zum gerechten Frieden“ folgt Lukas 1,79 und hält die Friedensfrage in Zeiten vielfältiger Bedrohungen in der heutigen Welt wach, nicht nur in und für Korea.

1.6. „Theologische Perspektiven zur Diakonie im 21. Jahrhundert“ sucht das Verständnis und die Praxis der Diakonie vor dem Hintergrund der tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und religiösen Veränderungen unserer Zeit darzulegen. Die Praxis der Diakonie wird als Auftrag kirchlichen Handelns neu ins Bewusstsein gerufen, ein Handeln das zum Dienst an verletzlichen Menschen aufruft. 1.7. „Eine ökumenische Verpflichtung für theologische Ausbildung“ steht als Ruf und Appell, neue Wege in Theologie und Kirche zu gehen, um die Grenzen von theologischen Schulen und nationalen Sonderwegen zu überschreiten, um zu einem besseren ökumenischen Miteinander zu finden. Es gilt, die unterschiedlichen Kirchen zu Anfang des 21. Jahrhunderts daran zu erinnern.  

2. Betrachtungen im Vorfeld der Vollversammlung

2.1. „Interorthodoxe Konsultation im Vorfeld der Vollversammlung“ gibt Einblick in das Selbstverständnis orthodoxer Mitgliedskirchen des ÖRK, die diesen Bericht im März 2013 im ÖRK-Exekutivausschuss einbrachten. Der Beitrag unterstreicht die ökumenische Bedeutung orthodoxer Theologie und Kirchen auch und gerade im Neben- und Miteinander zu westlich geprägter Theologie der europäischen Kirchen und Länder.

2.2. Die „Konsultation indigener Völker“ versucht eine andere Stimme, vielfach überhört und vergessen, ins Bewusstsein der Weltchristenheit einzubringen, ja diese dem „Triumphalismus“ traditioneller Theologie entgegenzustellen: „Eine Kirche, die den Gott des Lebens bejaht, nimmt am Kampf des Lebens aktiv teil. Eine Kirche, die nicht kämpft, ist tot."

3. Berichte von Kommissionen und Arbeitsgruppen

Dass und wie sich der ÖRK im Gespräch mit der römisch-katholischen Kirche, den Pfingstkirchen und den weltweit christlichen Gemeinschaften befindet, gilt es immer wieder und verstärkt hervorzuheben. Das Engagement über die Grenzen der vertrauten ÖRK-Themen hinaus verspricht neue Horizonte zu öffnen, um dem weltweiten Wirken Jesu Christi nachzukommen. Dass dabei der Blick auf die nachwachsende Generation zu richten ist, eröffnet Schritte in die Zukunft, die als Ökumene im 21. Jahrhundert nicht rückwärts-, sondern vorwärtsgewandt sein müssen. Ökumenische Theologie verdankt sich dem Gott der Hoffnung, der Jesus Christus, den gekreuzigten Herrn von den Toten auferweckte, um aus Liebe in seinem Heilswirken die Menschheit von Schuld, Tod und Gottesferne zu erlösen. Ökumenische Theologie verdankt sich einer „Theologie der Hoffnung“, die immer wieder neue Wege eröffnet, wie in folgenden Hinweisen zeichenhaft sichtbar wird:

3.1. „Gemeinsame Arbeitsgruppe der römisch-katholischen Kirche und des ÖRK: Zusammenfassung des neunten Berichts“

3.2. „Bericht der Gemeinsamen Beratungsgruppe des O?RK und der Pfingstkirchen“

3.3. „Bericht der Gemeinsamen Beratungskommission des ÖRK und der weltweiten christlichen Gemeinschaften“

3.4. „Bericht der Kommission für junge Menschen (ECHOS)“

3.4. „Fortsetzungsausschuss für Ökumene im 21. Jahrhundert: Abschlussbericht“

Ökumene kann, soll und muss der „Reich-Gottes-Botschaft“ Jesu Christi Folge leisten, wenn sie weltweit und zukunftsoffen bleiben will. Die hier kurz vorgestellten Dokumente, Texte und Berichte laden zur Ein- und Weiterarbeit ein. Der ÖRK hat die Schrift „Referenztexte. ÖRK 10. Vollversammlung, Busan 2013“ herausgegeben, deren Einsicht und Lektüre ich hiermit nachdrücklich empfehlen möchte. Nach vielen persönlichen Begegnungen in und um Busan bieten die Referenztexte literarisch-ökumenische Begegnungen der besonderen Art.

Matthias Meyer
 

Donnerstag, 7.11.2013

Endspurt

Inzwischen haben wir den vorletzten Tag der Vollversammlung und des GETI—Programms. Endlos viele Eindrücke und Gedanken schwirren einem durch den Kopf. Die vielen Begegnungen und Gespräche, die alten und neuen Geschwister, die man erlebt hat, die Vorführungen und wertvollen Choreografien einzelner Plenarsitzungen, Gespräche bis tief in die Nacht mit Studierenden zu diversen theologischen Fragen bzw. zu ihrer Abschlussarbeit, die sie noch bis Weihnachten verfassen müssen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Themenfeldern, die offiziell auf der Vollversammlung angesprochen wurden; Einheit, Missionsverständnis, Recht und Gerechtigkeit, Frieden…
 
Wie lässt sich das umsetzen…?
Wie lässt sich nun das Gehörte und Angerissene – einmal im Alltag – umsetzen…? Die Teilnahme an GETI und an der Vollversammlung ist ja durchaus kein Privatvergnügen, sondern wir verstehen uns als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Aber wie bricht man die Komplexität der Themen herunter? Wird es uns gelingen, in der einen oder anderen Gemeinde Menschen für einzelne Themenfelder zu begeistern? Ökumene geschieht durch Begegnung, durch zwischenmenschliche Interaktion – auf dieser Ebene müssen wir das Themenfeld „Ökumene“ umsetzen, nicht übereinander sprechen, sondern miteinander sprechen und feiern.
 

Plenarsitzung zum Thema „Frieden“
An beeindruckenden und emotional sehr nahegehenden Berichten durften wir heute Anteilnehmen, als z. B. im Friedensplenum die Friedensnobelpreisträgerin, Leymah Gbowee aus Liberia von ihren traumatischen Erfahrungen im Bürgerkrieg berichtete und den friedlichen Kampf der Frauen gegen den Diktator Charles Taylor durch eine eindrückliche Filmreportage und Augenzeugenberichte untermalte. Sie ist eine beeindruckende Frau, die das Auditorium in ihren Bann gezogen hat.

Quelle: Benjamin Simon
Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee
 
Unierte Kirchen
Ein Treffen ganz anderer Art fand heute Nachmittag statt. In der Mittagszeit trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der „Uniting und united Churches“ – der vereinigenden und vereinten bzw. unierten evangelischen Kirchen. Mit Sara Schröder, die am Stewardprogramm teilnimmt, haben wir die badische Landeskirche vertreten – mit unserer badischen Union, die fast 200 Jahre zurückliegt, haben wir schwer beeindruckt. Während sich Lutheraner weltweit im Lutherischen Weltbund versammeln und Reformierte – demnächst mit Sitz in Hannover – sowie Anglikaner ebenfalls, haben die unierten Kirchen weltweit keinerlei Forum, außer, dass sie sich bei solchen Weltversammlungen eine lange Mittagspause herausschneiden. Eigentlich recht verwunderlich, da wir als unierte Kirche, ja schon einen Schritt weiter sind auf dem Weg der sichtbaren Einheit, die ja ein ausgewiesenes Ziel des ÖRK ist!
 
 

Begegnung zwischen KETI und GETI 
Um 16 Uhr ging es dann mit vier Reisebussen zur Busan Presbyterian University – dort erwarteten uns die 120 Theologiestudierenden mit ihren 20 Dozenten, die am koreanischen Pendant von GETI teilnehmen, nämlich dem Korean Ecumenical Theological Institute (KETI). Eine große Zusammenkunft von 400 Studierenden! In Kleingruppen kamen die Studierenden miteinander ins Gespräch, tauschten sich über ihre Erfahrungen der letzten beiden Wochen aus, während die 40 Dozenten sich in einem separaten Raum auch gegenseitig vorstellten und ins Gespräch kamen. Der Abend fand seinen krönenden Abschluss bei einem fast zweistündigen Festkonzert im dortigen Konzerthaus, das zur Ehren von KETI und GETI veranstaltet wurde.  Wieder einmal durften wir eine unbeschreibliche Gastfreundschaft erleben.

Benjamin Simon

Quelle: Benjamin Simon
Festkonzert zu Ehren von GETI und KETI
 

Mittwoch, 6.11.2013

Nachgedanken kurz vor 12 Uhr nachts!

Der Tag war picke-packe voll und gerade komme ich vom Treffen aller deutschen TeilnehmerInnen, welches von 22:00 – 23:30 Uhr dauerte. Daher heute nur ein kurzer Bericht.
Im Prinzip ging es weiter, wie ich schon gestern berichtete. Vormittags fand das Plenum zum Thema Gerechtigkeit statt. So kann man sich das vorstellen:

Quelle: André Witthöft-Mühlmann
 

Die Ausschüsse haben ihre Entwürfe wieder überarbeitet gehabt und heute gab es in den Geschäfts-Plenum-Sitzungen auch erste Entscheidungen.

Die wichtigste aus badischer Sicht: Pfarrerin Anne Heitmann ist in den Zentralausschuss gewählt worden. Was das bedeutet; darüber wird sicher das Zentrum für Kommunikation (ZfK) gesondert berichten.

Liebe Anne, ich gratuliere herzlichst auch auf diesem Wege!

Nur, damit man eine Idee bekommt, was sonst noch entschieden wurde vom Bericht des Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten: 1) Erklärung zur Politisierung von Religion und zu den Rechten religiöser Minderheiten; 2) Erklärung über die Menschenrechte Staatenloser und 3) Erklärung über Frieden und Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel. Morgen geht es weiter…

Außerdem wurde nach jahrelanger Bearbeitung die „Erklärung zur Einheit (Gottes Gabe und Ruf zu Einheit – und unser Engagement)“ abgeschlossen. Was das bedeutet, überlasse ich besser meinen theologischen Kollegen…

Heute haben unsere koreanischen Gastgeber die Abendandacht gestaltet, ca. 2.000 Menschen waren da; es dauerte statt einer Stunde dann fast zwei. Aber Inhalt dieser Andacht waren u.a. sieben Gebete im Namen der einzelnen „Kontinente“, was dadurch zugleich auch einen erstaunlichen Überblick über Sorgen, Nöte und Herausforderungen in Asien, Afrika, Karibik, Europa, Lateinamerika, Naher Osten, Nordamerika und Pazifik ermöglichte, gleich einer Synopse der Last und Hoffnung dieser Welt. Das hat mich wirklich sehr berührt – auch die Art des für einen koreanischen Gottesdienst sog. „Lauten Gebets“ (Tong seong kido).

Statt um 21:15 Uhr traf sich dann die „Deutsche Gruppe“ eben erst eine gute Stunde später. Wir waren 72 Personen, die Luft war stickig und es gibt kein Fenster… (leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, es wäre ein eindrückliches Foto geworden!). Aber es war allen ein Anliegen, das Wichtigste der letzten drei Tagen Revue passieren zu lassen. Die Motivation und das Engagement aller sind enorm. Schon diese „Keller-Sitzungen“ sind für mich wunderbar gelebte Ökumene – auch wenn wir eigentlich „nur“ unter uns sind. Nur zwei Gedanken dieser Sitzung: 1) der ÖRK setzt auf dieser Vollversammlung sehr stark auf Konsens, was zu Lasten der sehr notwendigen Profilierung geht und 2) der ÖRK braucht eigentlich mehr Finanzmittel in Anbetracht der Aufgabenfülle, die die Delegierten hier verabschieden. Das vor dem Hintergrund, dass die Finanzmittel seit vielen Jahren rückläufig sind.

Irgendwie ist der Blog doch wieder länger geworden.

;-) André Witthöft-Mühlmann

 

P.S.: Eigentlich wollte ich noch von meinem zweiten Workshop berichten, bei dem ich zusammen mit der Ev. Mission in Solidarität mitwirkte. Nur so viel in Anbetracht der späten Stunde: unser Klimaschutzkonzept kam gut an. Hier noch ein Foto:

 

Quelle: André Witthöft-Mühlmann

 

Dienstag, 5.11.2013

Quelle: Anna Habermann
Alice Fabian, Theologiestudentin aus Südafrika
Quelle: Anna Habermann
Welche Brücken können wir bauen?

Was bedeutet Einheit der Kirche?

Heute stand das Thema „Einheit“ im Mittelpunkt, das sowohl im Morgengebet der darauffolgenden Bibelarbeit und der Plenarsitzung beleuchtet wurde.

Am Nachmittag fand dann das letzte Treffen der Arbeitskreise (Ecumenical Conversation) statt, die insgesamt viermal stattgefunden haben.

In einer kleinen englischsprachigen, aus unterschiedlichen Ländern und Konfessionen zusammen­gesetzten Gruppe haben wir in der Bibelarbeit über Apg. 2,1-13 nachgedacht. In dieser Textstelle wird die „Pfingstgemeinde“ beschrieben. In unserer Arbeitsgruppe haben wir diese als eine inklusi­ve Gemeinde, in der alle Menschen ihren Platz finden, verstanden. Dieses Verständnis von Pfingstkirche steht ein wenig im Gegensatz zu dem, was ich sonst unter Pfingstkirche verstehe. Ich wünschte mir, dass auch meine Kirche in diesem Sinne ein wenig pfingstlicher wäre. Eine Kirche, die alle Menschen zu Wort kommen lässt und die Einheit innerhalb der lokalen und der universalen Kirche fördert.

Jeder in unserer Gruppe hat von Ereignissen in seiner Heimatgemeinde erzählt, in der Menschen ausgeschlossen werden. So etwa die junge Amerikanerin indischer Herkunft, die von ihrer indi­schen orthodoxen Kirche berichtete, in der ein Gottesdienstbesucher nicht zum Abendmahl zuge­lassen wurde, weil er nicht Mitglied war. Ein syrischer Priester berichtete, dass er dem Wunsch ei­nes jungen Paares nach Eheschließung nachkam, obwohl die Frau schwanger war. Dadurch hat er sich den Regeln seiner Kirche widersetzt, aber das Paar zu den glücklichsten Eltern gemacht, die er je kannte.

In der Plenarsitzung haben verschiedene Referenten in Bezug auf das Dokument „The Church: Towards a Common Vision“ einen Vortrag gehalten. Besonders die junge Südafrikanerin, die aus ihrem Kontext der „Post“-Apartheid sprach, hat mich sehr beeindruckt. Sie zeigte Herausforderun­gen, aber auch Hoffnungsschimmer auf, wie etwa das auf einander Zugehen einer Zulu sprechen­den und einer englischen Gemeinde derselben Konfession in ihrem Heimatort. 

In meinem Arbeitskreis „Ecumenical Conversation Middle East“ - whose justice, what peace? wur­de auf praktischer Ebene die Nicht-Einheit deutlich. Die aus diesem Arbeitskreis hervorgegange­nen „Affirmations“ sind leider nicht besonders viel aussagend, aber jede der Kirchen kann sich ir­gendwie in den Formulierungen wiederfinden. Ich wünsche mir eine Kirche, die sich weniger um sich selbst dreht, sondern prophetisch ihre Stimme erhebt und sich aktiv für den gerechten Frieden einsetzt.

Auch spirituell habe ich in den letzten Tagen meinen Blickwinkel erweitert: ein katholischer Student berichtete von einem in seinem Seminar eingehaltenen Fastentag, den Papst Franziskus ausrief, als die Entscheidung zum Angriff der USA auf Syrien anstand. Durch Teilnahme an einem solchen Fastentag können die sichtbare Einheit, aber auch die Ohnmacht und die Hoffnung der Christen deutlich werden.

Eine junge Mennonitin berichtete in einem anderen Zusammenhang, wie ihr das Klagen vor Gott half, über Momente der selbst empfundenen Ohnmacht hinwegzukommen.

Ein Lied, das wir in GETI schon mehrfach, auch am Denkmal des 18. Mai 1980 am vergangenen Samstag sangen (Markus Keller berichtete), ist „Senzenina“ aus Südafrika. Zu Deutsch: Was ha­ben wir getan?

Anzuhören unter folgendem Link: http://www.youtube.com/watch?v=5fDU1PYWT8A

 

Anna Habermann


Es wird ernster! Eindrücke der zweiten Arbeitswoche

Nach einem großartigen Wochenende in Seoul auf Einladung der koreanischen Gastgeber sind wir nun in Woche 2 langsam auf der Zielgeraden. Heißt, die Ausschüsse produzieren Berichte und Entwürfe, in denen es um nicht weniger als die programmatische Arbeit für die nächste „Legislaturperiode“ geht, und das sind immerhin die kommenden acht Jahre. Die nächste Vollversammlung findet 2021 statt!

Entsprechend nimmt das Einflussnehmen auf bestimmte inhaltliche Ziele zu. Denn auch wenn das Motto „God of life, lead us to justice and peace“ lautet, ist das natürlich letztlich recht ungenau. So versuchen die deutschen Delegierten u.a. nachdrücklich den Bezug zur Klimagerechtigkeit (wieder) herzustellen. Wir werden sehen, wohin sich die Entwürfe hinbe­wegen. Freitag ist ja bereits der Abschlusstag. Hier ein kleiner Eindruck beim Abstimmen im Plenum:

Quelle: André Witthöft-Mühlmann

 

Heute habe ich auch meine erste Präsentation im Madang (so werden hier die Workshops genannt) „Nuclear phase out - or a new atomic age“ gehalten. Kontext war Fukushima und die Energiewende in Deutschland. Entsprechend waren vor allem Japaner und Deutsche da. Zum Schluss hatte man Gelegenheit, seine Wünsche zum Thema auf einer Weltkarte zu pin­nen. Es war ein schöner Workshop. Verantwortlich war übrigens eine tolle Truppe junger deutscher ÖkumenikerInnen, die das Netzwerk MEET gegründet haben: More Ecumenical Empowerment Together
(? www.meet-junge-oekumene.de)!

Quelle: André Witthöft-Mühlmann

 

Jeder Tag schließt mit einer Andacht. Die von gestern und heute hätte nicht unterschiedlicher sein können. Gestern von der größten Pfingstgemeinde Koreas (Yoido Full Gospel Church), die in Seoul den größten Gottesdienstsaal der Welt hat (sonntags sieben Gottesdienste mit jeweils 20.000 Teilnehmern!) und heute eine römisch-katholische Andacht. Die Vollversamm­lung ist wahrlich ein Schmelztiegel der Kirchen der Welt.

Quelle: André Witthöft-Mühlmann


Gottesdienst der Yoido Full Gospel Church gestern und

 

Quelle: André Witthöft-Mühlmann
 

der koreanisch geprägte katholische Gottesdienst von heute. 

Und zum Schluss noch ein Foto unserer badischen „Truppe“ beim kleinen Zwischentreffen heute am Mittag. Das Wetter ist super, aber selbst für Busan zu warm (Klimawandel?)

Quelle: André Witthöft-Mühlmann
 

André Witthöft-Mühlmann

Montag, 4.11.2013

Nach der täglichen Bibelarbeit wurde das neue Missionsdokument vorgestellt. Das Plenum Missi­on, versammelt im Auditorium, bot Gelegenheit, "Gemeinsam für das Leben, Mission und Evange­lisation in sich wandelnden Kontexten. Eine neue Erklärung des ÖRK zu Mission und Evangelisa­tion" kennenzulernen. Das Dokument wurde engagiert aus der Sicht des ÖRK vorgestellt.

Musikbeiträge lockerten die Ansprachen auf.

Erste Fragen und Rückfragen wurden am Mittag in der Pressekonferenz möglich, eine weitere Be­trachtung dazu folgte am Nachmittag im Plenarsaal für Geschäftssitzungen (Business Hall). In Kleingruppen mit 30 bis 40 Teilnehmenden konnte eine engagierte, auch kritische Fragen, eröff­nende Aussprache erfolgen. Die Reaktionen waren vielschichtig und unterschiedlich wie die Ge­sprächspartner. Die Beurteilung des Dokuments ist kaum eröffnet, sodass ich von einer voreiligen ersten Einschätzung absehen möchte. Alles fliesst bzw. eine Debatte kommt in Fluss, die span­nend zu werden verspricht.

Matthias Meyer

Sonntag, 3.11.2013

Quelle: Sarah Schroeder
Begrüßungsteam von Freiwilligen, Stewards und Mitarbeitern am Flughafen in Busan
Quelle: Sarah Schroeder
Chor der Gong Neung First Presbyterian Church
Quelle: Sarah Schroeder
Stewards in der Gong Neung First Presbyterian Church
Quelle: Sarah Schroeder
Nun danket alle Gott im koreanischen Gesangbuch

Die Zeit rast

Es ist kaum zu glauben; die ersten Tage der Vollversammlung sind schon vorbei und ich bin nun schon seit mehr als zehn Tagen in Korea - die Zeit vergeht wirklich wie im Flug. 

Nachdem die ersten Tage des Steward-Programms, an dem ich teilnehme, doch noch sehr ruhig und entspannt verliefen, ging es mit Beginn der Pre-Assemblies und dem Ankommen der Teilneh­menden richtig los. Ich bin als Steward dem Team des Information und Registration Desk zugeteilt. Gemeinsam mit neun anderen Stewards und einigen Mitarbeitern des ÖRK, aber vor allem vielen Freiwilligen aus Korea, habe ich die ersten beiden Tage der Vollversammlung mit dem Begrüßen und Registrieren der Teilnehmenden verbracht. Als kleines Team arbeiteten wir am internationalen Flughafen von Busan. Es war wunderschön zu erleben, wie dankbar die Anreisenden waren, end­lich in Busan angekommen zu sein, am Flughafen herzlich begrüßt zu werden und von Beginn an die Gastfreundschaft der Koreaner zu erleben. Denn ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer aus Korea wäre vieles so viel schwieriger hier - allein schon aufgrund der Sprachbarriere und mangeln­der Ortskenntnisse. Auch wenn die Mitarbeitenden und wir Stewards alles tun, um einen reibungs­losen Ablauf zu ermöglichen, so brauchen wir immer wieder die Hilfe unserer orangenen Engel - und auf die ist immer Verlass. 

How can I help you?

Diesen Satz spreche ich gefühlte tausendmal am Tag und habe erstaunlicher Weise dennoch nicht das Gefühl, meiner Arbeit überdrüssig zu werden. Inzwischen sind die meisten Teilnehmenden trotz Unwetter, Visa-Schwierigkeiten u.a. angekommen; wir müssen nur noch selten Registrierun­gen durchführen und sind erste Anlaufstelle für Fragen und Probleme aller Art. Auch wenn die Ar­beit zu den Stoßzeiten anstrengend ist, macht sie Spaß. Mein Team ist bunt gemischt und wir ge­nießen die ruhigeren Zeiten, in denen wir uns austauschen und viel über einander, unser Leben, unsere Kirchen und unseren Glauben lernen können. Die Erfahrung anderen helfen zu können, manchmal auch kreative Lösungen zu suchen und als Team zusammen zu arbeiten, ist sehr schön. 

Dankbar sein für das, was Gott uns schenkt

Leider können wir Stewards nicht an den Ausflügen des Korean Host Committees teilnehmen, aber einige unserer koreanischen Mit-Stewards geben sich große Mühe, für einen Teil von uns kleine oder auch größere Ausflüge zu organisieren. Ich habe das große Glück, mit Sang und sechs ande­ren für kurze Zeit nach Seoul zu reisen.

Sang studiert Theologie in Seoul und arbeitet neben seinem Studium als "Aushilfspfarrer" in einer kleinen presbyterianischen Gemeinde. Der Kurztrip nach Seoul war für ihn eigentlich nicht ganz freiwillig, da er dort jeden Sonntagmorgen einen Jugendgottesdienst und die Sunday School für 15- bis 16-Jährige zu halten hat - auch während des Steward-Programms. Bereits vor unserer An­kunft in Korea hatte er angeboten, eine kleine Gruppe nach Seoul einzuladen und so setzen wir uns Samstagabend in den Zug. Nach einem Spaziergang über den Nachtmarkt und einem köstli­chen Essen an einem kleinen Straßenimbiss, geht es nach einer kurzen Nacht in der Wohnung von Sangs Eltern am Sonntagmorgen zu seiner Kirche. Zunächst steht um 9 Uhr der Jugendgot­tesdienst auf dem Programm. Eine Band führt durch den Gottesdienst, Sang predigt zum Ernte­dankfest und für die Jugendlichen, die in den nächsten Tagen ihre wichtigsten Prüfungen schrei­ben, um sich an einer Universität bewerben zu können, wird gebetet. Abschließend sind wir einge­laden uns, unsere Kirchen, aber auch unsere Arbeit bei der Vollversammlung in der Sunday School zu präsentieren. Es sind nicht nur Jugendliche anwesend, denn viele Gemeindeglieder haben von unserem Besuch erfahren und sind sehr neugierig, wer denn da so kommt und was wir in Busan eigentlich so machen.

Im anschließenden Sonntagsgottesdienst mit Chor und Orgel fühlte ich mich fast schon wie zuhau­se. Die Predigt ist zwar sehr lang, doch meine indonesische Steward-Kollegin und ich können mit unseren rudimentären Koreanischkenntnissen doch erstaunlich viel der Erntedank-Predigt "verste­hen": Es geht um Dankbarkeit für das, was Gott uns schenkt. Sehr passend für uns, denn wir alle sind so dankbar für das, was wir in Seoul aber auch in Busan erleben dürfen. Die Gastfreundschaft mit der wir empfangen werden ist so groß, dass es schwer fällt, meine Dankbarkeit dafür in Worte zu fassen. Denn trotz der sprachlichen Barriere ist die unglaublich große Herzlichkeit zu spüren. Und die Koreaner sparen auch nicht an Taten, um uns ihre Gastfreundschaft zu zeigen: kostenlose koreanische Köstlichkeiten am Straßenimbiss, eine Einladung zum Kaffee oder zum Mittagessen, die Organisation der Reise nach Seoul und sogar die Übernahme unserer Reisekosten nach Seoul durch ein Gemeindeglied. Es scheint mir, als reiche ein einfaches "Kamsamnida" (Dankeschön) kaum aus, doch mehr bekomme ich mit meinem kleinen Wortschatz leider nicht hin.

Gerade weil ich meine Dankbarkeit gegenüber den Koreanern kaum so zum Ausdruck bringen kann wie ich es gerne möchte, bin ich froh, dass ich Gott danken kann, für all das, was mir hier be­gegnet und mein Leben so unglaublich viel reicher macht. Im Gemeindegottesdienst ertönt ein Lied, dessen Melodie ich sofort erkenne und das ich auf Deutsch mitsingen kann "Nun danket alle Gott". 

Sarah Schroeder


Gottesdienst der PCK

Am Sonntagfrüh fuhr ich mit einigen deutschen ÖRK-Teilnehmern zu einem Gottesdienst der Presbyterianer. Es war die PCK, also die presbyterianische Kirche, die sich insgesamt aus kir­chenpolitischen Gründen nicht dem Weltkirchenrat anschloss. Von ihr hat sich die PROK, die pro­gressivere presbyterianische Kirche abgespalten, die ihrerseits Mitglied im Weltkirchenrat ist. Was sollte und würde uns erwarten?

Freundlich wurden wir begrüßt und erlebten einen Gottesdienst, der von einem in Deutschland geborenen Koreaner, in Frankfurt lebend und arbeitend, ins Deutsche übersetzt wurde. Predigttext war Lukas 22,24-34, Jesu Gespräche mit den Jüngern und die Ankündigung der Verleugnung des Petrus. Das Evangelium wurde lebensnah und eindringlich ausgelegt, geradezu zupackend wie bei einer Erweckungspredigt. Der ÖRK wurde in das Gebet einbezogen, das wir leider nicht verstehen konnten. Ein großer Chor begleitete den vollbesetzten Gottesdienst, in einer Kirche, die in ihrer Ausstattung unsere reformierten Kirchen zu gleichen schien. Wir wurden aufgefordert und das auf Deutsch gehaltene Grußwort wurde von unserem hervorragenden Übersetzer der Koreanischen Gemeinde übersetzt. Der Kantor erhielt das Gesangbuch "Colors of Grace" als unser Gastge­schenk.

Anschließend haben wir mit den Gemeindegliedern zu Mittag gegessen. Das Nachmittagspro­gramm begann mit einer Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde, die nahe dem Flughafen, Gimhae International Airport, in Gimhae liegt. Die Gemeinde beteiligt sich in der Füh­rung einer Schule in einem armen, sozialen Brennpunktgebiet. Viele Kinder stammen von Migran­ten aus dem asiatischen Raum, kommen also aus armen Familien, die der Unterstützung in jeder Hinsicht bedürfen. Das soziale Brennpunktgebiet wurde uns weiter anhand zweier Aktivitäten deut­lich vor Augen geführt: 

1. Wir gingen ahnungslos in das Haus einer Frauenberatungsstelle, in der nach Korea gebrachte Frauen, die mit Koreanern verheiratet wurden bzw. werden, eine Anlaufstelle finden. Die Bera­tungsstelle, die ehrenamtlich getragen wird, gibt täglich 30 bis 60 in Not befindlichen Frauen die Gelegenheit, sich mit koreanischen Frauen zu treffen, sich auszusprechen und nach Lösungen zu suchen, um eine Integration in neuer Umwelt hinzubekommen. Die Gesellschaft in Korea ist deut­lich patriarchalisch geprägt und die eingewanderten Frauen stehen isoliert und vereinsamt da.

Was steckt dahinter?

Korea hat zu wenige Frauen im heiratsfähigen Alter. Deshalb werden Frauen aus dem Ausland (Chi­na, Vietnam, Kambodscha usw.) geholt bzw. vermittelt, um als "Trostfrauen" ihren Männern zur Seite "unterstellt" zu werden. Von "Liebesheirat" kann dabei selten bzw. nicht gesprochen werden:

Frauenrechte sind eher ein Fremdwort und wenn deren Schicksal kurz umrissen wird, werden un­fassbare Lebenswege nachvollziehbar.

Deshalb gilt:

Themen des ÖRK wie Migration, Menschenrechte, Frauenrechte, Kinderrechte usw. haben, so er­lebten wir es augenscheinlich, eine traurige Realität. Diese gilt es wahrzunehmen, zu begleiten und zu verändern.

2. Danach besuchten wir einen Gottesdienst einer Freikirche für nach Korea vermittelte Gastarbei­ter aus China. Wir kamen in einen kleinen, bescheidenen Raum, wohl eine ehemalige Werkstatt oder Verkaufsfläche.

Ein junges Ehepaar, das als Koreaner missionarisch in China wirkte und von dort ausgewiesen wurde, leistet nun in Busan Gemeindeaufbauarbeit. Gepredigt wurde auf Koreanisch, übersetzt wurde ins Chinesische, sehr basal, einfach, aber für die Beteiligten wurde diese kleine Gemeinde zu einer Art Familie.

Zum Abschluss des Tages erlebten wir einen Kontrast. Geladen wurde ins Tagungszentrum BEXCO/Zentrum City. Das Kulturprogramm, genannt Korean Culture Night, war angesagt:

Wir erlebten Sänger, Chöre und Musiker, die in koreanischen Trachten ihre Darbietungen lebendig und lautstark mit vielen Trommelwirbeln zu Gehör brachten.

Der Tag war in der Tat kontrastreich und herausfordernd.

Matthias Meyer


 

Quelle: Anne Heitmann
Methodistische Kirche in Busan
Quelle: Anne Heitmann
Konzertreif: Chormusik und Oper im Gottesdienst
Quelle: Anne Heitmann
Gäste in methodistischer Gemeinde in Busan: (v.l.n.r.) Hyeryena Jung vom Gastgeber-Komitee, Sithembilee Ncube von der method. Kirche in Zimbabwe, Anne Heitmann, Rev. Joon Bok Suk, Bischof des Distrikts Samnam, Bischof Jan Janssen aus Oldenburg

Gottesdienste weltweit

Unzählige große und kleine Busse haben die Teilnehmenden der Vollversammlung in Busan an diesem Sonntagmorgen auf über 90 Gemeinden im Stadtgebiet verteilt. Viele andere wa­ren in Seoul oder Gwangju zu Gast. Ich war mit einigen anderen einer methodistischen Kir­che zugeteilt, eine recht kleine Gemeinde am anderen Ende von Busan. Wohltuend familiär und überschaubar ist die Atmosphäre in diesem Gottesdienst nach den vielen Großveran­staltungen und großen Inszenierungen der letzten Tage. Nicht alles in Kirche und Gesell­schaft ist „mega“ - es gibt auch ganz normale Gemeinden, die den unseren gar nicht so un­ähnlich sind. Im Gottesdienst steht Psalm 150 im Mittelpunkt: „Lobt Gott mit Trompeten und Harfen.“ Die methodistischen Hymnen auf die Musik von Beethoven (Freude schöner Götter­funken) können wir auch ohne Koreanischkenntnisse mitsingen. Zu einem unerwarteten Hö­hepunkt wird dann der letzte Punkt der Gottesdienstordnung: “Preis und Lob“. Der kleine Chor schlägt einen großen Bogen vom klassischen Sanctus und Agnus Dei über Stücke aus La Traviata und Carmen, von traditionellen koreanischen Liedern bis hin zu den Gospels. Die "Schlager" "Oh Happy Day" und "Amazing Grace" habe ich noch nie so schön gehört. Aber die 10 Sängerinnen und Sänger waren wohl auch Profis. Zu der für uns gewöhnungsbedürfti­gen Zusammenstellung, sagt ein methodistischer Kollege aus Belgien: Bei uns Methodisten ist liturgisch alles erlaubt, was das Herz für Gott öffnet. Das ist ihnen gelungen.

Die Sprachbarriere ist leider sehr hoch, da man beim Zuhören einfach gar nichts versteht und die allermeisten Gottesdienstbesucher kein oder nur ganz wenig Englisch sprechen. Pfarrer Jonathan von den Salomonen hat in seinem Grußwort unsere Erfahrung aber schön zusammengefasst: "Wir können einander nicht verstehen, wenn ich aber in Ihre Gesichter schaue, dann kann ich in jedem Gesicht Christus entdecken." 

P.S.: Es hat mich gefreut zu hören, dass auch im fernen Baden heute viele Gottesdienste zur Vollversammlung gefeiert worden sind. Wer nächste Woche noch etwas plant: Auf www.photos.oikoumene.org lassen sich viele schöne Fotos herunterladen.

Anne Heitmann

 

Samstag, 2.11.2013

Am Samstag fuhr ich nach einem Spaziergang mit zwei orthodoxen Theologen, dar­unter einem Bi­schof, beide in orientalischen Mönchsgewändern, mit einem Taxi nördlich von Busan nach Haedong Yonggungsa, um dort einen buddhistischen Tem­pel zu besuchen. Da begegneten sich Welten, so wie ich es noch nie erlebt hatte. 

Fremde Kultur, fremde Religion, riesige Statuen, ein enorm grosses Buddha Stand­bild etwa 8 Meter hoch, ein Tempel, der einige wenige Koreaner zum Beten veran­lasste. Davor auf einem langen Hinweg viele Geschäfte, Verkaufsstände wie auf ei­nem orientalischen Basar, hindurch wandelnd zwei arabisch sprechende orthodoxe Theologen und ich aus dem Konfessionskundlichen Institut in Bensheim. Die Ge­spräche über die orthodoxe Kirche in Ägypten war schon aufregend und bewegend genug. Wie mag dort sich die Lage weiterentwickeln? 

Wir ökumenischen Peripatetiker wurden wie aus einer anderen Welt betrachtet. Un­ser Auftreten wirkte inmitten der vielen Koreaner und einiger Touristen, besonders für die Koreaner befremdlich bis belustigend. Ein Koreaner fragte, ob wir Muslime seien. Das war wirklich irre.

Das kommt nie wieder. Alle Erlebnisse habe ich im Herzen bewahrt.

Nach der Taxifahrt begegnete ich noch Samuel Cobia, dem ehemaligen, kurz amtie­renden Generalsekretär des ÖRK. Er wurde von meiner US-amerikanischen Ge­sprächspartnerin, die mich 400 Meter vorher ansprach, in ein Gespräch verwickelt. Die Amerikanerin war das fünfte Mal auf einer VV, und wusste viel zu berichten. Sie stammt von einer unehelichen Tochter aus dem Haus Habsburg zur Zeit Maria Theresias ab. Sie selbst hat nun den schönen deutsch-amerikanischen Namen "Stumpf". Sie war ganz stolz, in einem Standbild der ehemaligen österreichischen Kaiserin ihre Grossmutter wiedererkannt zu haben.

Das ist eben auch Alltagsökumene auf der VV des ÖRK.

Matthias Meyer


 

Quelle: Anne Heitmann
Anne Heitmann und Pfr. Dr. Solomon aus der Church of South India vor dem Schiffbaumuseum im "Fischerdorf"
Quelle: Anne Heitmann
Eingang zur Ausstellung im ehemaligen Kriegsgefangenenlager auf Geoje
Quelle: Anne Heitmann
Asiatische Konkurrenz Daewoo Haeyang Werft
Quelle: Anne Heitmann
Eine buntgemischte Besuchergruppe auf Geoje

Gastfreundschaft

Korea ist ein überaus gastfreundliches Land, das ist an diesem Wochenende wieder spürbar. Eine Art Ausflugs- und Gemeindebesuchsprogramm rund um die Themen Frieden, Gerech­tigkeit und Schöpfung ist für mindestens 2000 Teilnehmende geplant worden! Ein ganzer Sonderzug ist in die Demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea und nach Seoul ge­fahren. In der Umgebung von Busan sind für die übrigen Teilnehmenden rund 20 andere Pro­gramme geplant worden.

Insel mit schwieriger Geschichte

Ich bin auf diese Weise heute auf Geoje gewesen, einer Insel rund 80 km südwestlich von Busan. Die Landschaft, in der die Berge und viele weitere kleine Inseln steil aus dem Meer ragen ist beeindruckend – besonders wenn die Morgennebel noch dazwischen aufsteigen.

Geoje steht zum einen für die wirtschaftliche Entwicklung Koreas, zum andern für die Koloni­alherrschaft Japans über Südkorea, die das Verhältnis bis heute problematisch macht. Schließlich war hier während des Koreakriegs ein großes Kriegsgefangenenlager mit zeitwei­se 180.000 Gefangenen, das heute besichtigt werden kann.

Nachdem wir den Dauerstau quer durch Busan überstanden haben, fahren wir über impo­sante Brücken durch eine Art „Schärenlandschaft“ auf die Insel. Unterhalb der Brücke wer­den nicht etwa Austern gezüchtet, wie ich aufgrund der dort sichtbaren Gestänge vermute, sondern Algen für den „Seesalat“ angebaut. Das erklärt mir mein Sitznachbar G. Kim, der in Korea aufgewachsen und heute Professor für Kirchengeschichte in den USA ist. Er wird mir im Laufe des Tages noch viel zu den verschiedenen Deutungen koreanischer Geschichte er­zählen. Wir erreichen die Daewoo Haeyang Werft, die wesentlich zum Wirtschaftswachstum in Korea beigetragen hat. Riesige Containerschiffe mit bis zu 400 Metern Länge werden hier in Trockendocks gebaut, aber auch Fähren, U-Boote und andere Kriegsschiffe. Voller Stolz sind sie in den Vitrinen nebeneinander ausgestellt. Für mich ist es schon befremdlich, wie selbstverständlich militärisches und ziviles hier nebeneinander steht, zumal mir Prof. Kim er­zählt, dass die militärische Unterstützung der USA im Vietnamkrieg der Wirtschaft im „Nach­kriegssüdkorea“ den entscheidenden Anschub gegeben hat. Es ist Samstag, aber viele Ar­beiter sind unterwegs; vor der Kantine hat sich eine riesige Schlange gebildet. Auch morgen werden die Maschinen selbstverständlich laufen – erklärt uns unsere Führerin.

Nach einem fürstlichen Mittagsbuffet, zu dem die lokale Gemeinde uns einlädt, geht es in ein Fischerdorf – dachten wir. Nun, möglicherweise war in dieser schönen Bucht einst ein Fi­scherdorf, der Platz, den man uns heute zeigt ist (nur noch) ein Museum. Vor dem Museum liegt ein größeres Holzschiff mit Drachenkopf. Mit diesem Schiff gewann Admiral Yi Sun-sin vor gut 400 Jahren eine entscheidende Seeschlacht gegen die japanische Marine, die an­geblich zehn Mal so viel Schiffe hatte. Ein Journalist aus Japan steht etwas ratlos vor der Gedenktafel. Von 1905 bis 1945 war Korea ein japanisches Protektorat; es wurde wirtschaft­lich ausgebeutet, der Widerstand immer wieder niedergeschlagen – eine Schreckenszeit, die den Menschen in Korea sehr präsent ist und wo Schritte zur Aussöhnung der beiden Völker bisher fehlen.
Wie Versöhnung gelingen soll, ist auch im Blick auf Nordkorea eine große Frage. Im ehema­ligen Kriegsgefangenenlager wird der Korea-Krieg mit all seinen Leiden ebenso, wie das Le­ben im Kriegsgefangenenlager mit großen und kleinen Modellen gleichsam nachgestellt und natürlich fehlt auch die entsprechende Tonuntermalung nicht. Eine Inszenierung, die seltsam berührt, vor allem bei den Kämpfen, die im Lager zwischen den angeblich „kommunisti­schen“ und den „antikommunistischen Gefangenen“ ausbrachen. Nein, der kalte Krieg ist in Korea noch nicht vorbei. Dem Pfarrer aus Angola, der Teil unserer Gruppe ist, geht das ganz nahe. Ja, die Kriegserinnerungen seien für ihn noch sehr frisch. Die Situation in Angola sei einigermaßen stabil hat er mir erzählt, man setze auf Dialog, nicht auf Gewalt. Doch wie ein Gebet klingt sein Seufzer vor einer der Ausstellungshütten: „Oh mein Gott, wir brauchen Frieden.“

Anne Heitmann


Quelle: Markus Keller
Herzlich willkommen auf dem Campus!
Quelle: Markus Keller
Monumentaler Nationalfriedhof
Quelle: Markus Keller
Erinnerung an Opfer des Gwangju-Aufstands
Quelle: Markus Keller
GETI-Andacht vor Ort

GETI-Ausflug nach Gwangju 

Am Wochenende finden nicht die üblichen Gottesdienste, Plenarsitzungen und Gesprächsrunden der Vollversammlung statt. Stattdessen sind Samstag und Sonntag für organisierte oder persönliche Ausflüge vorgesehen.

Wir GETI-Teilnehmer sind daher bereits frühmorgens mit dem Bus in die etwa vier Autostunden von Busan entfernte Stadt Gwangju aufgebrochen. Dort wurden wir überaus herzlich von Professoren und Studenten der „Honam Theological University and Seminary“ (HTUS) empfangen. Hierbei handelt es sich um eine christliche Hochschule, die 1955 von amerikanischen Missionaren der „Presbyterian Church in the U.S.“ als Bibelschule gegründet wurde und seither stetig gewachsen ist. Die Ursprünge der HTUS als Missionsschule sind jedoch auch heute noch allgegenwärtig: Stolz führte man uns durch eine Ausstellung zur Missionarszeit und über einen Friedhof auf dem Campus, auf dem zahlreiche Missionare samt ihren Angehörigen bestattet sind.

Die Hochachtung und Dankbarkeit, mit der unsere koreanischen Gastgeber über das segensreiche Wirken dieser Missionare berichtet haben, hat mich nachdenklich werden lassen. Allzu oft sehen wir deutschen Theologen die Aussendung westlicher Missionare mit gemischten Gefühlen. Und angesichts der zuweilen ziemlich unrühmlichen Geschichte westlicher Mission in Zeiten des Imperialismus und Kolonialismus ist eine solche selbstkritische Sicht ja auch durchaus angemessen. Hier auf dem Campus der HTUS haben wir jedoch einen Einblick in ein durchaus positives Beispiel westlicher Missionsgeschichte erhalten. Beruhigend, dass es auch solche Geschichten zu erzählen gibt.

Am späten Nachmittag hatten wir dann die Gelegenheit, noch tiefer einzutauchen in die Geschichte der Stadt Gwangju, die für das moderne Korea von kaum zu überschätzender Bedeutung ist. Gemeinsam mit einigen Studenten von KETI (= koreanisches Parallelprogramm zu GETI) besuchten wir den „18 May National Cemetery“, den monumentalen Friedhof, auf dem die Opfer des so genannten Gwangju-Aufstandes vom Mai 1980 begraben sind. Dieser Aufstand, der sich aus einer friedlichen Demonstration entwickelte, markiert eine wichtige Etappe Südkoreas auf dem Weg zur Demokratie. Am 18. Mai 1980 demonstrierten die Studenten und Bürger Gwangjus friedlich gegen das von der damals herrschenden Militärdiktatur verhängte Kriegsrecht und für die Freilassung eines inhaftierten Oppositionspolitikers. Die brutale Beendigung der Demonstration durch das Militär löste einen Volksaufstand aus, der wiederum einige Tage später durch ein regelrechtes Blutbad, das Soldaten unter der Zivilbevölkerung anrichteten, niedergeschlagen wurde. Erst 1997 wurden die Verantwortlichen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Aufstand des 18. Mai gilt in Korea als Beispiel für die – letztendlich Gott sei Dank missglückte – Unterdrückung der Demokratiebewegung.

Höhepunkt unseres Besuches auf dem Nationalfriedhof war eine kurze Andacht mit Kranzniederlegung durch GETI-Leiter Pfarrer Dr. Dietrich Werner und Vertreter von Lehrern und Studenten.

Einen feierlichen Abschluss fand der heutige Tag dann im Rahmen einer großartigen Dinnerparty mit Live-Musik unter freiem Himmel, die unsere Gastgeber für uns ausgerichtet haben. Wir werden heute im Studentenwohnheim der HTUS übernachten und morgen Gottesdienste in örtlichen Gemeinden besuchen. Erst mittags geht es dann zurück nach Busan, wo weitere spannende Tage im Rahmen der ÖRK-Vollversammlung auf uns warten. 

Markus Keller


Freitag, 1.11.2013

Tag 3 der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen und Tag 8 vom Global Ecumenical Theological Institute (GETI)

Ablauf des Tages
Die klare Struktur der Versammlungstage bestimmte wieder den Tagesablauf: Der Tag be­ginnt stets mit einer Andacht, einer Bibelarbeit sowie einem inhaltlichen Plenum – das heuti­ge Thema bezog sich auf die Situation der Christen in Asien. Nach dem Mittagessen folgte das Geschäftsplenum (in der nächsten Woche, die „Madang“ – Workshops zu unterschiedli­chen Themen) und die über 20 ökumenischen Gesprächsgruppen, in die sich die Teilneh­menden im Vorfeld haben eintragen dürfen. Der heutige Abend ist bei den Delegierten durch konfessionelle Treffen sowie eine Abendandacht geprägt.

Die GETI-Gruppe hatte am Nachmittag wieder zwei interessante Vorträge auf ihrem Pro­gramm. So wurde dem GETI-Plenum u.a. der Atlas of Global Christianity vorgestellt, der deutlich macht wie sich das Christentum seit 1910 als die erste Weltmissionskonferenz statt­fand, verändert hat. Auf den 380 Seiten wird durch farbige Karten und Graphiken die Verla­gerung des Christentums anhand der gesammelten Zahlen klar und deutlich umrissen: Im globalen Süden wächst das Christentum und in der nördlichen Hemisphäre nimmt es ab.

Quelle: Benjamin Simon
Atlas of Global Christianity
Edited by Todd M. Johnson & Kenneth R. Ross 

Ökumenische Gesprächsrunden
In der zweiten Hälfte vom Nachmittag vermischte sich unsere Gruppe wieder mit den Dele­gierten der Vollversammlung: Wir besuchten zum zweiten Mal unsere „ökumenischen Ge­sprächsrunden“. Ich habe mich bei der theologischen Aus- und Fortbildung eingetragen und konnte an diesem Nachmittag vieles über unterschiedliche Colleges und Universitäten welt­weit erfahren. Die leitende Frage war in der heutigen Runde, inwiefern sich unsere Ausbil­dung ökumenisch gestaltet bzw. die Ökumene integriert. Die meisten Erfahrungen ver­deutlichten: Das Themenfeld der Ökumene ist in der Ausbildung, trotz der globalisierten Welt, zu wenig beachtet.

Krise bei GETI
Die Halbzeit haben wir inzwischen bei GETI erreicht – viel Neues und Herausforderndes liegt hinter uns, ein intensives Programm, wie dann auch zusätzlich seit drei Tagen das VV-Pro­gramm. Inzwischen setzt starke Erschöpfung bei den Studierenden ein und sie empfinden – zu Recht – das Programm überladen – auch unter den Dozierenden äußern sich diese Er­scheinungen. Zu wenig Raum ist für den Austausch eingeplant worden und zu wenige Frei­räume existieren, in denen sie sich untereinander austauschen können. Jeder der sich im ökumenischen Gespräch bewegt weiß, wie wichtig es ist, gemeinsam zu essen und sich langsam kennen zu lernen, nicht von einer zur nächsten Veranstaltung zu hetzen, sondern auch Gespräche und Gehörtes zu vertiefen und zu reflektieren. So fanden wir uns heute Abend zu einem Krisen-Plenum in unserem Hotel ein. Die Studierenden setzten sich nach Kontinenten, um kulturelle Barrieren und Unterschiede bei der Gesprächskultur nicht ins Ge­wicht fallen zu lassen – ein interkulturelles Lernen steht hier auf der täglichen Agenda. Im Laufe des Abends wurden zahlreichen Anregungen und Verbesserungsvorschläge eingebracht, die wir hoffentlich in der zweiten Woche werden umsetzen können. Hierzu gehört u.a. der Wunsch eines weniger gefüllten Tagesablaufs und mehr Raum für Gespräche und Rückfragen in den Plenarsitzungen. Hoffen wir mal, dass diese Anregungen umgesetzt werden, so dass die Studierenden wie auch die Dozierenden eine weitere Woche besonderer Lehr- und Lerngemeinschaft genießen dürfen.

Quelle: Jae-Hoon Lim
Benjamin Simon mit Pfarrer Jae Hoon Lim, Vorstand des Internationalen Konvents Christlicher Gemeinden, der auch die Vollversammlung in seiner Heimat Korea besuchte.

Dr. Benjamin Simon

 

Donnerstag, 31.10.2013

Erster richtiger Arbeitstag der Vollversammlung – fast!

Heute war der erste Tag, der in dem für die Vollversammlung eher typischen Raster ablief. Heißt: 8:30 – 9:00 Uhr Morgenandacht, 9:15 – 10:15 Uhr Bibelstudium, 10:45 – 12:15 Uhr Plenum, gute anderthalb Stunden Mittagspause (für Delegierte aber auch mit Ausschusssit­zungen teils verbunden) 14:15 – 15:45 Uhr wieder Plenum, 16:15 – 17:45 Uhr Ökumenische Gespräche, 18:15 – 19:45 Uhr regionale oder konfessionelle Treffen und dann von 20:00 – 20:30 Uhr Abendandacht. Wer es ganz genau wissen möchte: http://wcc2013.info/de/programme.

Allerdings war das erste Plenum des Tages dann doch eher wieder ungewöhnlich, denn zu­nächst sprach der Premierminister Koreas, Chung Hongwon, zum Auditorium. Ich glaube, es ist nicht unbedingt typisch, wenn dieser als Politiker bekundete, zu beten für „peace and prosperity“, was als Anlehnung an das Thema der Vollversammlung „God of life. Lead us to justice and peace“ gedacht war (es aber vielleicht nicht ganz traf). Die koreanische Regie­rung zeigt echte Wertschätzung für die Vollversammlung.

Anschließend stellten ausgewählte Persönlichkeiten die Bandbreite der Themen des ÖRK dar. Ein echtes kleines Highlight war dann aber Melisande Schifter, deutsche Theologiestu­dentin und Teilnehmerin des GETI-Programms (s. Blog der letzten Tage), die als Vertreterin der ÖRK-„Jugend“ diese Persönlichkeiten mit Esprit und Frische fragte, was diese nun ganz konkret tun werden, um das Thema der Vollversammlung, daheim mit Leben zu erfüllen. Die Antworten waren naturgemäß weniger konkret, als man sich wünscht.

Quelle: Joanna Lindén-Montes/WCC

UNAIDS Executive Director Michel Sidibé, Project Assistant for the WCC ETE Programme Melisande Schifter, H. E. Archbishop Vicken, Bishop Duleep Kamil de Chikera and Dr. Wedad Abbas Tawfik. 

Das „Geschäftsplenum“ nach der Mittagspause war dann deutlich „geschäftlicher“, aber auch letztlich produktiver, auch wenn das auf dem Foto vielleicht nicht „rüber kommt“. Eigentlich nicht viel anders als auf der Landessynode, nur dass es rund 800 Delegierte sind. 

Quelle: Joanna Lindén-Montes/WCC

Plenary session

 

Am Nachmittag starteten die sog. Ökumenischen Gespräche. 21 Themen standen zur Auswahl, von „Zur Einheit berufen – neue ökumenische Landschaften“, über „Naher Osten: wessen Gerechtigkeit, welcher Frieden“ bis zu „Aufruf zu ökologischer Gerechtigkeit und ökologischen Frieden angesichts des Klimawandels“. An letzterem nehme ich teil. Nicht nur heute, sondern an drei weiteren Tagen, gemeinsam mit rund 40 anderen. Hier besteht „end­lich“ die Möglichkeit, in Tiefe sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Wir begannen, wie die TeilnehmerInnen aus den verschiedensten Regionen konkret daheim den Klimawandel erleben, beginnend mit Tuvalu, über Indien, Palästina, USA bis zu Deutschland. Der Begriff Nachbarschaft wurde im Kontext des Klimawandels geweitet: nicht nur konkret „nebenan“, sondern auch „fern“, nicht nur „heute“, sondern auch „morgen“.

Der offizielle Tag endete mit der Abendandacht, doch bei uns im Hotel Paradise ging es um 20:30 Uhr noch weiter mit dem bereits zweiten Treffen der deutschen Delegierten, Berater, Beobachter, Multiplikatoren, ökumenischen Partnern, Workshop-Teilnehmer, Pressevertreter und Gäste. Wir waren rund fünfzig, meist müde Menschen. Gute anderthalb Stunden tausch­ten wir unsere Eindrücke aus und beratschlagten Entwicklungen. 

André Witthöft-Mühlmann

P.S.: dem heutigen Reformationstag wurde im Plenum kaum Anerkennung zuerkannt. Auch das muss man im Kontext der weltweiten Ökumene wohl richtig einordnen können…

 

Mittwoch, 30.10.2013

Eröffnungstag der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen

Nach etwas Erholung in den Nachtstunden war die erste Einheit des Tages bei den GETI-Teilnehmenden wieder durch Vorträge geprägt. So hat u.a. Kirk Kinnamon, ehem. Generalsekretär des National Council of Churches der USA, derzeit Theologie-Professor in Seattle, in seinen Ausführungen den Studierenden vier wegweisende Ziele genannt, die seines Erachtens von großer Relevanz für die Zukunft der weltweiten Ökumene sein werden: Zum einen muss der Kreis ökumenisch-engagierter Kirchen erweitert werden, zweitens benötigt die ökumenische Bewegung eine jüngere und neue ökumenische Führung, ferner muss die globale und lokale Ökumene besser vernetzt werden und viertens müssen unterschiedliche ökumenische Strukturen Raum finden und ausprobiert werden. Eine wachsende Gefahr sieht Kinnamon in dem Auseinanderbrechen von Kirchen, die sich eher „geistlich“ aufstellen und solche, die sich eher als „Anwälte“ verstehen. Zudem sieht er die ökumenische Bewegung einer ideologischen Gefahr ausgesetzt, die sich fragen lassen muss, ob sie noch an die „wahre Führung“ („truly leading of God“) Gottes glaubt. Anregende Gedanken, die die Studierenden für zahlreiche präzise und wertvolle Rückfragen genutzt haben.
 
Eröffnungsgebet der 10. Vollversammlung Noch vor dem Mittagessen fand das Eröffnungsgebet der 10. VV statt. In der großen Versammlungshalle fanden sich bald 5000 Menschen ein, die mehr als 300 Kirchen vertraten und aus über 100 Ländern kamen. Sie feierten in zahlreichen Sprachen bei besonders wertvoller Chormusik mit traditionellen koreanischen Instrumenten. Beim Einzug der Liturginnen und Liturgen wirkte Pfarrerin Anne Heitmann aus der badischen Landeskirche an prominenter Stelle mit.
 
Quelle: Benjamin Simon

v.l.n.r. Der ehem. Syrisch-orthodoxe Erzbischof von Homs, Pfarrerin Anne Heitmann, Karlsruhe, und Generalsekretär Olav Fykse Tveit.

 
Das Thema der Vollversammlung „Gott des Lebens: Weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“ wurde in den unterschiedlichen Klagen aufgegriffen und thematisiert.

Zum Mittag schoben sich Tausende von Menschen durch die riesigen Gänge des Bexco-Messegeländes, um zu den zahlreichen Restaurants zu gelangen, die fast die Internationalität der Teilnehmenden widerspiegeln. Es folgte am Nachmittag die Eröffnungsveranstaltung, die durch Grußworte der hiesigen Politik begleitet wurde, wie auch durch Grüße des Vorsitzenden des Vorbereitungskomitees des Koreanischen Kirchenrates, durch den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., der per Filmbeitrag eingeblendet wurde sowie ein Grußwort von Papst Franziskus, welches durch Kardinal Koch verlesen wurde.  Ein feudales Bühnenstück mit Tanz, Gesang und Musik über die Geschichte des Christentums in Korea trugen anschließend die gastgebenden koreanischen Kirchen vor. Es verdeutlichte auf eindrucksvolle Weise die Höhen und Tiefen, die das koreanische, insbesondere christliche Volk durchleben musste.

 
Quelle: Markus Hildebrandt Rambe
Eröffnungsveranstaltung Geschichte des Christentums in Korea
 

Es folgte an diesem Nachmittag noch der Bericht des Vorsitzenden des Zentralausschusses, Pastor Walter Altmann sowie des Generalsekretärs Pfarrer Olav Fykse Tveit. Dabei möchte ich zwei der vielen guten Gedanken hervorheben: „Wir sind nicht hier, um zu diskutieren, ob wir als Gemeinschaft von Kirchen etwas verändern können, sondern vielmehr, um zu überlegen, wie und mit wem wir unseren Beitrag leisten können.“ Zudem betonte er, dass der ÖRK sich aufgrund seiner einzigartigen Stellung auch an dem umfassenden Engagement von Kirchen und ökumenischen Partnern für Migrantinnen und Migranten angemessen beteiligen sollte.“ Durchaus eine Anregung, die wir insbesondere in der ekiba gerne hören. Für uns von GETI ging es dann schleunigst wieder zur U-Bahn, um pünktlich um 18:30 Uhr noch einmal in unsere Arbeitsgruppen zu gehen, um das Gehörte zu vertiefen und zu reflektieren.

Ein Tag unendlich vieler Eindrücke geht zu Ende, die mich sehr neugierig auf die kommenden Tage der VV gemacht haben. Freuen wir uns auf weitere Berichte an dieser Stelle.

Dr. Benjamin Simon

Dienstag, 29.10.2013

Quelle: Anne Heitmann
Demonstration gegen den ÖRK:
Drastische Wortwahl
Quelle: Anne Heitmann
Teilnehmerin am Peacetrain (Friedenszug) Mehr....

Geschichten von Kraft und Konflikten

Es sind beeindruckende Geschichten, die ich in den letzten zwei Tagen vor dem offiziellen Beginn der Vollversammlung in Busan bei der sogenannten „Vorversammlung der Frauen und Männer“ gehört habe. Geschichten, die Widerstand hervorrufen und Geschichten, die Kraft geben zum Leben. Wir kennen die Geschichten dieser Menschen aus den Medien, aber hier sind sie da und erzählen – mal auf dem Podium, mal in den kleinen Gesprächsgruppen: Die Frau aus Indien, die den Opfern von Menschenhandel beisteht – (z. B. denen, die als Frau aus dem Katalog verkauft oder per Mail als Braut geordert wurden); die Pfarrerin aus Südafrika, die auch öffentlich zu ihrer HIV Infektion steht, stellvertretend für so viele andere, die dazu nicht die Kraft haben.

Jede Geschichte, die erzählt wird, bringt den Vergessenen das Leben zurück – so die Brasilianerin Elaine Neuenfeld. Etwas davon ist zu spüren, während rund 400 Frauen und (wenige) Männer mal gemeinsam mal getrennt darüber nachdenken, wie denn die „Gemeinschaft zwischen Männer und Frauen“ gestaltet sein muss, damit sie zu Leben, Frieden und Gerechtigkeit beitragen und wie dies in die morgen beginnende Vollversammlung eingebracht werden kann. Das Vollversammlungsthema „Gott des Lebens, weise uns zu Gerechtigkeit und Frieden“ ist dabei manchmal nur noch ein verzweifelter Schrei, manchmal ein leises Gebet, und dann wieder ein Lied der Hoffnung.  

Engagiert erklären gegen Ende des Tages die zwei altgedienten Präsidentinnen des ÖRK, Mary Tanner und Dr. Orphelia Ortega, den Ungeübten, wie das denn funktioniert: Konsensverfahren, Rederecht, Kommissionsarbeit. „Ihr habt eine Stimme in der Vollversammlung, nutzt sie – und gebt denen eine Stimme, die keine haben.“

Doch schon vor Beginn kommen zu den beglückenden Erfahrungen des Austausches und gemeinsamen Gottesdienst Feierns auch beklemmende Eindrücke dazu. Vor der Mittagspause dringen Lautsprecherreden und laute Musik und Trommeln in den Konferenzsaal. Es sind nicht, wie ich erst vermute, ausgelassene Feiern der jungen Teilnehmenden, die im Saal unter uns tagen. Der Lärm kommt von draußen. Als wir zum Mittagessen das Gebäude verlassen, haben sich vor dem Konferenzzentrum Hunderte von Demonstranten mit Plakaten und T-Shirts mit großen roten Kreuzen versammelt. Männer, Frauen und Kinder ziehen vorbei und singen ein Hallelujalied, das ich von Kirchentagen zu kennen meine.  „No to WCC“, „Go home“  oder „WCC is the second Japanese shrine worship“ sind noch die harmloseren Botschaften, die auf den Plakaten zu lesen sind.

Eine Delegierte aus dem Libanon versteckt rasch das Namensschild, das sie als Vollversammlungsteilnehmerin ausweist, unter der Jacke. Wir kommen mit einem jungen Mann ins Gespräch, der sich als Pastor einer Pfingstkirche vorstellt. Der ÖRK arbeite mit Nordkorea zusammen und sei der lange Arm der Kommunisten, so sein Vorwurf. Vorsichtig versuchen wir zu erklären, dass „der ÖRK eine Gemeinschaft von Kirchen weltweit ist, die sich zur Aufgabe gemacht haben, gemeinsam – und nicht gegeneinander - Christus und den dreieinigen Gott zu bekennen“ und erzählen ihm von unseren deutschen Erfahrungen mit der Kontaktpflege zwischen Kirchen in unterschiedlichen ideologischen Blöcken, die zum Frieden beigetragen hat. Die Überlegung, was denn „ die Welt“  denken soll von Kirchen, die sich gegenseitig bekämpfen anstatt gemeinsam Zeugnis abzugeben, macht ihn nachdenklich. Die koreanische Kirchenlandschaft bleibt offenbar auch nach der Vorbereitung, an der sich auch viele Kirchen aus dem pfingstlerischen Spektrum beteiligt haben, die nicht Mitglied des ÖRK sind, tief gespalten. Bleibt zu hoffen, dass die vielen Koreaner und Koreanerinnen aus allen Konfessionen, die an der Vollversammlung teilnehmen, ermutigende Erfahrungen machen.

Anne Heitmann


Quelle: Markus Keller
Proteste vor dem Versammlungsort
Quelle: Markus Keller
Blick über das abendliche Busan
Von Seoul nach Busan
 
Während die eigentliche Vollversammlung des ÖRK in Busan erst morgen beginnen wird, liegen hinter uns GETI-Teilnehmern bereits einige spannende Tage in Seoul. So sind wir heute Morgen bereits mit zahlreichen bereichernden Begegnungen und Diskussionen im Gepäck nach Busan aufgebrochen. In den letzten Tagen war deutlich sichtbar, wie sehr alle hier der Einsatz für Gerechtigkeit und Versöhnung in der Nachfolge Jesu unter den Nägeln brennt.

Nach rund sieben Stunden Busfahrt war die erste Begegnung mit dem Veranstaltungsort der Vollversammlung für die meisten von uns dann aber doch eher überraschend: Eine riesige Schar von Demonstranten belagerte den Komplex, in dem morgen die Vollversammlung beginnen wird. Schnell war klar, dass es sich hierbei wohl um koreanische Christen evangelikaler Prägung handelt. Als „Evangelikale“ werden in der Regel evangelische Christen bezeichnet, die sich eine konservative Auslegung der reformatorischen Prinzipien auf die Fahnen schreiben: Das Heil ist allein durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz (solus Christus) zu erlangen. Es kann allein durch die Gnade Gottes (sola gratia) im Glauben (sola fide) ergriffen werden. Und allein die Bibel (sola scriptura) ist das Wort Gottes, dessen Verkündigung zu solchem Glauben führt.

Es ist meines Erachtens durchaus verständlich, dass aus dieser Perspektive einige Ansätze des ÖRK problematisch erscheinen: Geht es zum Beispiel bei den Bemühungen um interreligiösen Dialog wirklich um ein gemeinsames Einstehen der Weltreligionen für Frieden und Gerechtigkeit? Oder wird eine Vermischung oder Angleichung verschiedener Religionen angestrebt, die biblisch-theologisch nur schwer zu rechtfertigen wäre?

Und was ist mit dem Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung und soziale und ökonomische Gerechtigkeit („eco-justice“ / „just peace“), der in den kommenden Tagen eine wichtige Rolle spielen wird? Geht es hierbei wirklich um ein tieferes Verständnis und eine nachhaltige Praxis der besonderen Rolle, die Gott den Menschen in seiner Schöpfung zugedacht hat? (Gen 1,26-31) Oder soll der christliche Glaube dazu instrumentalisiert werden, „grüne“ oder „sozialistische“ Utopien zu fördern?

Für die einen sind derartige Anfragen gut nachvollziehbar, während sie für andere abwegig erscheinen mögen. Eines ist jedoch klar: Der ÖRK repräsentiert nur noch knapp ein Viertel der Weltchristenheit. Und während der Anteil der ÖRK-Mitgliedskirchen an der Weltchristenheit kontinuierlich abnimmt, nimmt die zahlenmäßige Bedeutung evangelikaler, charismatischer und sogenannter unabhängiger Gemeinden stetig zu.

Für mich ist die Frage nach dem Umgang mit evangelikalen Christen daher eine Schlüsselfrage der bevorstehenden Vollversammlung. Wird sich der ÖRK einem „liberal-theologischen Extremismus“ verschreiben, der sich trotzig in seiner Minderheitenrolle einrichtet und das Gespräch mit evangelikalen Kritikern verweigert? Oder kann es gelingen, Gemeinsamkeiten zu entdecken? Können theologische Sprachregelungen gefunden werden, die den Pilgerweg für Gerechtigkeit und Frieden auch für konservative Christen gangbar machen?

Hoffnungsvolle Ansätze hierfür gibt es durchaus – z. B. die Mitwirkung evangelikaler und charismatischer Christen am neuen Missionspapier des ÖRK sowie die Einrichtung eines „Global Christian Forum“ als Ort der Begegnung zwischen „Ökumenikern“ und „Evangelikalen“. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Begegnungen und Diskussionen der kommenden Tage!

Markus Keller

Montag, 28.10.2013

Quelle: Anna Habermann
Internationales Morgenandachtsteam
Quelle: Anna Habermann
Vorlesung in der Hanshin Universität

Zusammen mit 160 Theologiestudierenden und jungen Absolventen sowie 25 Dozenten aus aller Welt, darunter auch Markus Keller als junger Absolvent und Benjamin Simon als Dozent aus Baden, nehme ich teil am Global Ecumenical Theological Institute (GETI) in Seoul und Busan, Südkorea.

Bereits am 25. Oktober sind wir in Seoul angekommen und haben am Samstag und heute (Montag) inspirierende und herausfordernde Vorlesungen gehört und diese gemeinsam mit Studenten in unseren jeweiligen Seminargruppen vertieft. In meiner Seminargruppe sind Studenten und junge Pfarrer aus Südkorea, USA, Hongkong, Finnland, Osttimor, Indonesien, Ungarn und Südafrika - von jeweils unterschiedlichen Konfessionen - vertreten.

Bisher lagen die Themenschwerpunkte auf asiatischen Theologien und Formen des Christentums, vor allem mit dem Fokus auf Südkorea. Am Sonntag hat jede Seminargruppe einen Gottesdienst in einer der zahlreichen Kirchen in Seoul besucht. Mit meiner Gruppe war ich in einer presbyterianischen „Megakirche“ mit 10.000 Besuchern pro Gottesdienst, wobei fünf Gottesdienste jeden Sonntag stattfinden. Auch über diesen Gottesdienstsbesuch lohnt es sich ausführlicher zu berichten; allerdings möchte ich gerne auf einen der vielen Punkte unserer Diskussionen eingehen, der mich zum Nachdenken gebracht hat.

Nicht alle Südkoreaner haben den Wunsch nach Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea. Auch unter den Christen (ca. 30 % der Bevölkerung Südkoreas) teilen nicht alle diesen Wunsch. Dies liegt zum einen an den Erfahrungen der verschiedenen Generationen. Viele junge Menschen haben keine persönliche Verbindung zu Nordkorea und orientieren sich vorwiegend an ihrem eigenen Wohlergehen und Wohlstand. Südkoreaner, die sich für die Wiedervereinigung einsetzen, charakterisieren diese Haltung als Überlebensstrategie in einem technokratischen Regime.

Zum anderen hängt die Ansicht über die Wiedervereinigung auch mit der Kirchenzugehörigkeit zusammen. So sind einige Kirchen, die meist als „evangelikal“ bezeichnet werden, nicht Mitglied des ÖRK, da dieser das Streben nach Wiedervereinigung und Frieden unterstützt. Trotzdem wird die Vollversammlung hier in Südkorea auch von Kirchen ausgerichtet, die nicht Mitglied des ÖRK sind.

Zwei Fragen, die ich aus der Diskussion in den Seminaren mitgenommen habe und die mich noch immer beschäftigen, möchte ich gerne weiterleiten:

Kann ich als Christ, der das Streben nach gerechtem Frieden zur Nachfolge Jesu zählt, den Wunsch nach Nicht-Frieden und Nicht-Wiedervereinigung respektieren oder unterstützen? Wie „ökumenisch“ ist unsere Beziehung zu „evangelikalen“ Christen und Kirchen in Deutschland und Baden und in welcher Art kommunizieren wir in Fragen, die für unseren Kontext relevant sind?

In unserer heutigen Morgenandacht wurde mir jedoch wieder einmal bewusst, dass wir trotz unterschiedlicher Meinungen und Glaubensauffassungen, die auch innerhalb einer Konfession und Generation auftreten können, in dem Glauben an Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist vereint sind; und dass Einheit nicht Einheitlichkeit bedeutet.

Morgen setzen wir unser GETI-Programm in Busan fort, ich freue mich auf die kommenden Tage und blicke dankbar auf die letzten sehr bereichernden Tage zurück.

Bis bald, Anna Habermann

WILLKOMMEN IN KOREA
 
 
 
Quelle: Anne Heitmann
Preassembly Trommelgruppe
 
Quelle: Anne Heitmann
Koreanisches Abendessen
 

Es ist soweit....

Quelle: ÖRK und A. Heitmann
.... die Koffer sind gepackt, nächste Woche geht es los.
 
Als erste steigt Sarah Schroeder ins Flugzeug. Sie wird mit vielen anderen jungen Menschen aus der ganzen Welt bei der Vollversammlung als Steward dafür sorgen, dass alles läuft.
 
Anne Heitmann wird am Wochenende zunächst eine Gemeinde der Presbyterianischen Kirche in Korea in Kwanju besuchen. Sie ist eine Partnerkirche der EMS. Anschließend steht in Busan die "Women's Preassembly" auf dem Programm, wo sie Delegierte aus anderen Ländern und Kirchen kennenlernen wird.
 
Benjamin Simon, Anna Habermann und Markus Keller haben viele theologische Bücher im Gepäck. Für sie beginnt am Freitag in Seoul das "Global Ecumenical Theological Institute". Benjamin Simon wird als Dozent eine Gruppe von Studierenden aus Vietnam, USA, Weißrussland und Kamerun begleiten. Anna Habermann und Markus Keller werden gemeinsam mit anderen Studierenden ökumenische Fragen vertiefen und dann auch an den Plenarsitzungen der Vollversammlung teilnehmen.
 
Mit Beginn der Vollversammlung reist dann auch André Witthoeft-Mühlmann an. Als Umweltbeauftragter unserer Landeskirche wird er verschiedene Workshops zu ökologischen Fragen begleiten. Natürlich hat er dafür eine englische Ausgabe des badischen Klimaschutzprogramms im Gepäck.  
 
Weiter geht's mit täglich neuen Berichten aus Südkorea ab Montag, den 28.10.2013.
 

Anne Heitmann

Quelle: M. Hornung
Kirchenrätin, Leiterin der Abteilung für Mission und Ökumene
Telefon: 0721 9175-387
Fax: 0721 9175-25-387